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Das Pergamonmuseum — eine Annäherung

Das Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel ist eines der ungewöhnlichsten Häuser Europas. Drei Sammlungen, jede für sich allein ein eigenes Museum wert, teilen sich ein Gebäude, dessen wichtigste Räume zugleich auch die spektakulärsten sind. Vor einem Besuch lohnt sich allerdings ein genauer Blick auf den Bauzustand — das Haus durchläuft seit 2013 eine Generalsanierung.

Geschichte des Gebäudes

Der Gedanke, ein eigenes Gebäude für die massiven Ausgrabungsfunde aus Pergamon, Babylon und Milet zu errichten, wurde in Berlin bereits in den 1880er-Jahren diskutiert. Das erste Pergamonmuseum öffnete 1901, erwies sich jedoch bald als strukturell ungeeignet. Das heutige Gebäude, entworfen von Alfred Messel und Ludwig Hoffmann, wurde zwischen 1910 und 1930 errichtet und 1930 für die Öffentlichkeit eröffnet. Es war von Anfang an um die Objekte herum geplant — die Säle sind deshalb so gewaltig, weil die Architekten wussten, dass ein rekonstruiertes Stadttor von fast dreißig Metern Breite untergebracht werden musste. Im Zweiten Weltkrieg wurden wichtige Objekte ausgelagert; das Gebäude erlitt Schäden und die Sammlungen wurden in der Folge zwischen West- und Ostberliner Institutionen aufgeteilt. Die Wiedervereinigung ermöglichte 1990 die Zusammenführung der Bestände unter dem Dach der Staatlichen Museen zu Berlin (Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Das Museum liegt am nördlichen Ende der Museumsinsel, die seit 1999 zum UNESCO-Welterbe gehört, zusammen mit dem Neuen Museum, dem Alten Museum, der Alten Nationalgalerie und dem Bode-Museum.

Drei Abteilungen

Das Pergamonmuseum vereint drei eigenständige Sammlungen. Die Antikensammlung umfasst griechisches und römisches Material und wird mit dem Alten Museum auf der anderen Seite der Insel gemeinsam betrieben. Das Vorderasiatische Museum beherbergt eine der größten Sammlungen mesopotamischer Kunst und Architektur weltweit. Das Museum für Islamische Kunst zeigt Kunstgewerbe, Architektur und angewandte Künste aus der islamischen Welt vom siebten bis ins neunzehnte Jahrhundert. Jede Abteilung ist bedeutsam genug, um einen eigenen Besuchstag zu rechtfertigen; zusammen machen sie ein Kombi-Ticket für die Museumsinsel zur wirtschaftlichsten und sinnvollsten Lösung.

Der Pergamonaltar

Der Große Pergamonaltar (hellenistisch-griechisch, um 180 v. Chr.) wurde unter der Attaliden-Dynastie in der Stadt Pergamon erbaut, die im heutigen Westanatolien liegt, nahe dem modernen Bergama. Der deutsche Ingenieur Carl Humann initiierte die Ausgrabungen 1878; die Fragmente wurden im Rahmen eines Abkommens mit den osmanischen Behörden nach Berlin verbracht. Die Rekonstruktion begann 1901. Das Ergebnis ist der Südfries der Gigantomachie — 113 Meter Marmorrelief, das den Kampf der Olympischen Götter gegen die Giganten zeigt — in nahezu Augenhöhe präsentiert, sodass die Besuchenden neben dem Geschehen entlanggehen. Der Ostfries, über der Haupttreppe, zeigt Zeus und Athena in den Mittelpositionen. Ein zweiter, kleinerer Fries im Inneren der Kolonnade schildert das Leben des Telephos, des sagenhaften Gründers von Pergamon und Sohns des Herakles. Die Kunsthistorie stellt den Gigantomachie-Fries gleichrangig neben die Parthenonskulpturen als bedeutendste erhaltene Leistung hellenistischer Bildhauerkunst. Der Altarflügel ist seit 2014 im Rahmen der laufenden Sanierung geschlossen; siehe die praktischen Hinweise weiter unten.

Das Ischtar-Tor

Das Ischtar-Tor von Babylon (um 575 v. Chr.) war das achte Tor in der Stadtmauer, der Göttin Ischtar geweiht. Es wurde unter Nebukadnezar II. errichtet und mit glasierten Ziegeln in charakteristischem Tiefblau — lapislazulifarben — mit Reliefs von Stieren (heilig dem Sturmgott Adad) und Drachen (dem Mušḫuššu, dem Schutztier Marduks) verkleidet. Robert Koldewey grub die Stätte zwischen 1899 und 1917 im Auftrag der Deutschen Orient-Gesellschaft aus. Die Ziegel — Zehntausende an der Zahl — wurden nach Berlin gebracht. Die Rekonstruktion im Museum ist partiell: Sie zeigt das kleinere Innentor, nicht das noch größere Außentor. Mit vierzehn Metern Höhe ist sie dennoch eines der eindrucksvollsten Objekte, die je in einem Museum aufgestellt wurden. Die Prozessionsstraße, gesäumt von Löwenreliefs auf gelb-braunen Glasurziegeln, führt durch das Tor. Dieser Gang durch den Korridor bleibt eine der stärksten Museumserfahrungen in ganz Europa.

Das Markttor von Milet

Das Markttor von Milet (zweites Jahrhundert n. Chr.) war ein römisches Monumentaltor in der griechischen Stadt Milet, heute im Südwesten der Türkei nahe dem modernen Söke. Theodor Wiegand grub es zwischen 1899 und 1911 für die Berliner Museen aus; im Pergamonmuseum wurde es 1929 wieder aufgestellt. Die Fassade ist etwa dreißig Meter breit und siebzehn Meter hoch und zeigt zwei vollständige Stockwerke römischer Bogenarchitektur mit Kolonnaden in der kompositen Ordnung. Ein Erdbeben im zweiten oder dritten Jahrhundert n. Chr. hatte das original Tor gestürzt; da die Steine im Verfall an Ort und Stelle lagen, war eine Rekonstruktion möglich. Die bloße Größe des Tores in einem Innenraum wirkt schwindelerregend — die Saalhöhe wurde eigens für das Objekt bemessen, und wer von der Schwelle aufschaut, erlebt die beunruhigende Empfindung, auf einer antiken Agora zu stehen.

Das Aleppo-Zimmer

Das Aleppo-Zimmer (Aleppozimmer) stammt aus den Jahren 1601 bis 1603 und war der bemalte Empfangssaal (qa'a) eines christlichen Kaufmannshauses in der Altstadt von Aleppo, Syrien. Es wurde 1912 von den Berliner Museen bei einem aleppanischen Antiquitätenhändler erworben und im damaligen Kaiser-Friedrich-Museum eingebaut. Die holzvertäfelten Wände und die Decke sind mit Arabesken, Bibelszenen, arabischen und syrischen Inschriften sowie Alltagsszenen bemalt. Die Ikonographie spiegelt die kosmopolitische Kultur des osmanischen Aleppo wider, in dem christliche, jüdische und muslimische Händlergemeinschaften nebeneinanderlebten. Seit dem Syrischen Bürgerkrieg und den schweren Schäden in der Altstadt Aleppos ab 2012 — einem UNESCO-Welterbegebiet — hat das Zimmer eine besondere Bedeutung als Zeugnis einer Baukultur erhalten, die nicht mehr unversehrt existiert. Es ist heute das Herzstück der islamischen Sammlung.

Restitutionsdebatte

Die Türkei hat formal die Rückgabe des Pergamonaltars nach Bergama gefordert; die türkische Regierung argumentiert, dass das ursprüngliche Ausgrabungsabkommen von 1878 keine Ausfuhrgenehmigung für den Altar enthielt und dass etwaige Genehmigungen unter osmanischem Druck erteilt wurden. Griechenland fordert verschiedene Objekte aus der Antikensammlung zurück. Der Irak hat über UNESCO-Kanäle die Rückgabe babylonischer Materialien verlangt, darunter Fragmente des Ischtar-Tors und der Prozessionsstraße. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat Gespräche geführt, ohne dass größere Rückgaben vollzogen worden wären. Die Debatte fügt sich in eine globale Auseinandersetzung mit kolonialen Erwerbungspraktiken ein und findet breite mediale und wissenschaftliche Aufmerksamkeit.

Sanierung 2013–2027 und darüber hinaus

Das Pergamonmuseum befindet sich seit 2013 in einer mehrstufigen Generalsanierung. Ein vierter Flügel — der sogenannte Nordflügel — wird angebaut, um einen neuen Besuchereingang, zusätzliche Ausstellungsflächen und eine verbesserte Klimatisierung zu schaffen. Die Sanierung läuft etappenweise, sodass Teile des Museums geöffnet bleiben. Der Pergamonaltar-Flügel wurde 2014 geschlossen und soll frühestens 2027 wieder geöffnet werden, auch wenn sich der Zeitplan mehrfach verschoben hat. Wer sich ein Bild des Altars machen möchte, sollte das Pergamon-Panorama besuchen: eine permanente 360-Grad-Panoramamalerei des Künstlers Yadegar Asisi in einer eigens errichteten Rotunde gegenüber dem Museum an der Adresse Am Kupfergraben. Das Panorama rekonstruiert die Stadt Pergamon auf dem Höhepunkt der Attaliden-Zeit — einschließlich des Altars in seinem originalen städtischen Kontext — in annähernd natürlicher Größe. Es ist ein ernsthaftes künstlerisches und wissenschaftliches Werk für sich.

Besuchsstrategie

Vor dem Besuch sollte unbedingt die aktuelle Öffnungskarte auf der Website der Staatlichen Museen geprüft werden, da sich die zugänglichen Bereiche im Laufe der Sanierung ändern. Das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße (Vorderasiatisches Museum) gehören zu den vergleichsweise beständig zugänglichen Highlights; das Markttor von Milet und Teile der Antikensammlung sind je nach Bauabschnitt ebenfalls geöffnet. Der Eintritt ist im Tagesticket Museumsinsel enthalten, das auch das Neue Museum (Nofretete-Büste), das Alte Museum (griechische und römische Skulptur, der Betende Knabe), die Alte Nationalgalerie (Caspar David Friedrich, deutschen Impressionismus) und das Bode-Museum (byzantinische Kunst, europäische Skulptur) umfasst. Ein Einzelticket ist erhältlich, aber das Tagesticket ist deutlich günstiger, wenn man zwei oder mehr Häuser besuchen möchte.

Die Museumsinsel ist per S-Bahn (S3, S5, S7, S9) und U-Bahn (U5) über Alexanderplatz und Hackescher Markt erreichbar, jeweils zehn bis fünfzehn Minuten Fußweg entfernt. Die nächste S-Bahn-Station für die Museumsinsel selbst ist Hackescher Markt. Eingeplant werden sollten mindestens zwei bis drei Stunden; bei geschlossenem Altarflügel fällt die Besuchszeit etwas kürzer aus als im Normalbetrieb. Das Asisi-Panorama kommt noch einmal mit rund fünfundvierzig Minuten dazu und wird separat berechnet, lohnt sich aber als Nachmittagskombination. Beim Verlassen des Museums bietet der Weg an der Kanalkante Am Kupfergraben vom Pergamonmuseum nordwärts zum Bode-Museum einen guten Überblick über die gesamte Inselarchitektur.

Auf der Karte sind das Museum, das Asisi-Panorama und die anderen Häuser der Museumsinsel verzeichnet.