Das Rijksmuseum — eine Annäherung
Das Rijksmuseum in Amsterdam ist eines jener seltenen Häuser, in denen die Sammlung und der Bau gleichermaßen zur Hauptattraktion gehören. Wer es betritt, sieht zunächst eine Galerie, dann das Backsteinkleid der niederländischen Neorenaissance, das Pierre Cuypers 1885 erschaffen hat — und erst danach den Bestand. Die folgende Annäherung versucht beides zu fassen.
Der Cuypers-Bau
Das Rijksmuseum am Museumplein, entworfen von Pierre Cuypers und 1885 eröffnet, ist selbst ein Meisterwerk der niederländischen Neorenaissance. Die Sanierung 2003 bis 2013 unter Cruz y Ortiz hat die ursprünglichen Cuypers-Farbschemata wiederhergestellt — Wandbemalungen, Bodenmosaike und Glasfenster, die ein knappes Jahrhundert lang unter Putz und Verkleidung verschwunden waren.
Die Nachtwache
Rembrandts Nachtwache (Die Schützengilde unter Hauptmann Frans Banninck Cocq, 1642) hängt am Ende der Eregalerij. Die Operation Nachtwache, eine seit 2019 öffentlich im Saal durchgeführte Restaurierung, hat erhebliche neue Erkenntnisse zur Maltechnik Rembrandts geliefert. Die Restaurierungsbox aus Glas ist selbst zum Ausstellungsstück geworden.
Vermeer
Das Rijksmuseum bewahrt vier Vermeer: Die Milchmagd, Briefleserin bei offenem Fenster, Das Straßgässchen und Der Liebesbrief. Die Sonderausstellung 2023 versammelte 28 der 35 bekannten Vermeer-Werke — die größte Konzentration, die je zusammengebracht wurde.
Das niederländische Goldene Zeitalter
Die Eregalerij und die umliegenden Säle bieten den kanonischen niederländischen siebzehnten Jahrhundert: Frans Hals, Jan Steen, Jacob van Ruisdael, Meindert Hobbema sowie eine außerordentlich tiefe Schicht der "kleinen Meister".
Der Asien-Pavillon
Der freistehende Asien-Pavillon im Museumsgarten, ebenfalls von Cruz y Ortiz, beherbergt eine konzentrierte Auswahl japanischer Holzschnitte, indonesischer Tempelplastik und chinesischer Keramik. Der ruhige Bau bildet ein bewusst anders getaktetes Pendant zum Cuypers-Hauptgebäude.
Sondersammlungen
Im Untergeschoss befinden sich Schiffsmodelle, Waffen, Musikinstrumente und die berühmten Puppenhäuser — darunter das Kabinett der Petronella Oortman von 1686, das so akribisch eingerichtet ist, dass es als kunsthistorische Quelle ersten Ranges für das Wohnen einer reichen Amsterdamer Familie gelesen wird.
Die Cuypers-Bibliothek
Die Cuypers-Bibliothek ist die größte öffentlich zugängliche kunsthistorische Forschungsbibliothek der Niederlande und selbst architektonisch spektakulär — ein mehrgeschossiger gusseiserner Galeriesaal, der heute zu den meistfotografierten Innenräumen Amsterdams gehört.
Der Fahrradtunnel
Die Hauptdurchfahrt durch das Gebäude ist nach wie vor öffentlicher Radweg — eine berühmte Besonderheit, die auch im Umbau 2003-13 gegen den Widerstand der Architekten verteidigt wurde. Wer mit dem Rad durchfährt, hört links und rechts den Hall der Säle.
Besuchsstrategie
Online-Ticket mit Zeitfenster nötig. Geöffnet täglich 9 bis 17 Uhr. Die Eregalerij ist zwischen 11 und 15 Uhr am vollsten — am besten kommt man zur Eröffnung oder am späteren Nachmittag.
Auf der Karte sind das Rijksmuseum und die direkt benachbarten Häuser (Van Gogh Museum, Stedelijk Museum) verzeichnet — die Kombination eignet sich für einen kompletten Museumstag.