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Das British Museum: eine eingehende Erkundung

Ein einzelnes großes Museum verlangt mehr als einen Absatz. Die folgende Erkundung umfasst die Baugeschichte, den Aufbau der Sammlung, die kanonischen Objekte, weniger besuchte Räume und eine konkrete Besuchsstrategie für das British Museum in London.

Von Hans Sloanes Sammlung zum globalen Haus

Das British Museum wurde 1753 per Parlamentsgesetz gegründet, um das Vermächtnis Sir Hans Sloanes aufzunehmen — eines Arztes und Naturforschers aus Nordirland, dessen 71.000 Objekte umfassende Privatsammlung den Gründungsbestand bildete. Sloane hatte diese Sammlung über Jahrzehnte zusammengetragen: Naturalien, Bücher, Manuskripte, Münzen, Kunstobjekte. Er vermachte alles dem britischen Staat gegen Zahlung von 20.000 Pfund an seine Erben. Das Parlament akzeptierte und richtete zunächst das Montagu House in Bloomsbury ein. Das heutige Gebäude in Bloomsbury, entworfen von Robert Smirke im neugriechischen Stil, entstand zwischen 1823 und 1852 und ersetzte das ursprüngliche Montagu House vollständig. Smirnkes ikonische Fassade mit dem großen ionischen Säulenportikus ist seither das Markenzeichen des Museums. Schon im 18. und frühen 19. Jahrhundert wuchs die Sammlung durch Feldzüge und diplomatische Schenkungen rasant; die Ägypten-Expedition Napoleons und ihre Folgen brachten einige der bedeutendsten Stücke ins Haus.

Größenordnung und Aufstellung

Heute bewahrt das British Museum rund acht Millionen Objekte — eine der größten und vielseitigsten Sammlungen der Welt. Nur etwa 80.000 dieser Objekte sind dauerhaft in den Schauräumen zu sehen; der weit größere Teil liegt in Magazinen, wird für Leihgaben genutzt oder steht in der Erforschung. Das Museum belegt eine Fläche von rund 92.000 Quadratmetern auf dem Gelände in Bloomsbury, nur wenige Gehminuten von den U-Bahn-Stationen Tottenham Court Road (Elizabeth und Northern Line) und Holborn (Central und Piccadilly Line) entfernt. Der Eintritt zur Dauerausstellung ist seit Gründung frei — ein prägendes Prinzip, das das Haus von vielen vergleichbaren Institutionen weltweit unterscheidet und jährlich rund sechs Millionen Besucher anzieht.

Great Court und Reading Room

Der überdachte Innenhof — Great Court — von Norman Foster aus dem Jahr 2000 gehört zu den architektonischen Höhepunkten des Gebäudes. Foster legte den ehemals offenen, mit Lagerbauten zugebauten Hof um den runden Reading Room frei und überspannte ihn mit einem tessellierten Glasdach aus 3.312 einzigartigen Dreiecksfeldern aus Stahl und Glas. Der runde Reading Room selbst, 1857 eröffnet, hatte zuvor Karl Marx, Charles Dickens und Mahatma Gandhi als Gäste. Er ist heute als Ausstellungsraum zugänglich. Der Great Court ist der größte überdachte öffentliche Platz Großbritanniens und bietet Cafés, Buchhandlung und Orientierung.

Stein von Rosetta

Der Stein von Rosetta ist das meistbesuchte Einzelobjekt des Museums und steht in Raum 4. Die Granodiorit-Stele aus dem Jahr 196 v. Chr. trägt dasselbe Dekret in drei Schriften: altägyptischen Hieroglyphen, demotischer Schrift und altgriechisch. Sie wurde 1799 während Napoleons Ägypten-Feldzug von französischen Soldaten nahe Rashid (Rosetta) gefunden. Nach der britischen Niederlage Frankreichs in Ägypten gelangte sie 1801 durch die Kapitulation von Alexandria in britische Hände. Jean-François Champollion gelang 1822 der erste vollständige Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphen, wobei die Stele zentral war. Ägypten verlangt formell die Rückgabe; das Museum hat das bisher abgelehnt und verweist auf seinen Status als Ort internationalen öffentlichen Zugangs.

Parthenon-Skulpturen

Raum 18 beherbergt die Parthenon-Skulpturen, auch Elgin Marbles genannt — Friese, Metopen und Giebelfiguren, die Lord Elgin, damaliger britischer Botschafter in Konstantinopel, zwischen 1801 und 1812 von der Athener Akropolis entfernen ließ. Elgin verkaufte sie 1816 für 35.000 Pfund an den britischen Staat. Im gleichen Jahr brachte das selbe Dekret, das Griechenlands Forderung begründet, eine formelle Resolution ins Parlament, das die Rechtmäßigkeit des Erwerbs billigte. Griechenland verlangt seit 1983 die Rückkehr; Kulturministerin Melina Mercouri machte die Forderung international bekannt. Vertrauliche Verhandlungen 2022 bis 2023 zwischen Museum und dem Akropolismuseum in Athen führten zu keinem öffentlichen Ergebnis. Der Streit ist einer der prominentesten Restitutionskonflikte der Welt.

Weitere Ankerstücke der Sammlung

Die Lewis-Schachfiguren (Raum 40) gehören zu den bekanntesten mittelalterlichen Objekten überhaupt: 93 Spielfiguren aus Walrosselfenbein und Zahnbein des Narwals, entstanden im 12. Jahrhundert, wahrscheinlich in Skandinavien, und 1831 auf der Isle of Lewis in den Äußeren Hebriden entdeckt. 82 Figuren gehören dem British Museum, 11 dem National Museum of Scotland in Edinburgh.

Der Sutton-Hoo-Helm (Raum 41) stammt aus einem angelsächsischen Schiffsgrab des frühen 7. Jahrhunderts, ausgegraben 1939 in Suffolk. Der rekonstruierte Helm mit Gesichtsmaske ist eines der bedeutendsten Objekte der frühmittelalterlichen englischen Geschichte.

Das Oxus-Schatzgut (Raum 52) umfasst über 170 Objekte aus Gold und Silber — Schmuck, Statuetten, Armreifen — der achämenidischen Perserzeit, gefunden im Bereich des heutigen Tadschikistan nahe dem Fluss Oxus (Amu-Darja) und im 19. Jahrhundert nach und nach auf den Markt gebracht.

Das Königliche Spiel von Ur (Raum 56) ist eines der ältesten bekannten Brettspiele der Welt, etwa 2600 v. Chr. im südlichen Mesopotamien entstanden und von Leonard Woolley bei den Ausgrabungen in Ur (heutiger Irak) gefunden.

Die Abteilungen im Überblick

Das Museum gliedert sich in acht kuratorische Abteilungen: Afrika, Ozeanien und Amerika; Altes Ägypten und Sudan; Asien; Großbritannien, Europa und Vorgeschichte; Münzen und Medaillen; Griechenland und Rom; Naher Osten; Druckgrafik und Zeichnungen. Die Druckgrafik-Sammlung in der letzten Abteilung umfasst über 50.000 Zeichnungen und zwei Millionen Druckgrafiken — darunter Werke von Dürer, Michelangelo, Rembrandt und Goya — die überwiegend in Study Rooms zugänglich, aber nicht dauerhaft ausgestellt sind.

Restitutionsdebatte und Benin-Bronzen

Die Benin-Bronzen stehen im Zentrum einer der aktivsten Rückgabebewegungen der Gegenwart. Das britische Militär plünderte 1897 im Zuge einer Strafexpedition gegen das Königreich Benin (im heutigen Nigeria) den Palast des Oba und entführte Tausende Messingreliefs und Skulpturen. Das British Museum bewahrt rund 700 dieser Objekte. Nach langen Verhandlungen sagte das Museum 2022 zu, bestimmte Stücke an Nigeria zurückzugeben, doch konkrete Transfers verlaufen schleppend; rechtliche Beschränkungen durch den British Museum Act von 1963 erschweren Rückgaben. Das Gespräch über koloniale Provenienz prägt die Museumspolitik europäischer Häuser grundlegend.

Weniger besuchte Räume

Wer den Hauptstrom der Touristen meidet, findet in Raum 3 (Ausstellungen aus Papyri und frühen Schriften), Raum 49 (Islam-Sammlung mit herausragenden persischen Keramiken), Raum 61 (Nordamerika, mit Objekten der Plains-Indianer) und dem Studienzentrum (nach Anmeldung) besondere Schätze. Die Room 1, die Sainsbury-Ausstellung, zeigt häufig temporäre thematische Zusammenstellungen aus der eigenen Sammlung.

Besuchsstrategie

Eintritt frei; keine Zeitfensterpflicht für die Dauerausstellung. Sonderausstellungen sind ticketpflichtig und oft Monate im Voraus ausgebucht — Online-Buchung empfohlen. Öffnungszeiten täglich 10 bis 17 Uhr, freitags bis 20.30 Uhr; letzter Einlass 30 Minuten vor Schließung. Wer zur Eröffnungszeit eintrifft, hat die Ausstellungssäle — besonders Raum 4 mit dem Rosetta-Stein und Raum 18 mit den Parthenon-Skulpturen — vor dem Schulklasseneinstrom für gut anderthalb Stunden für sich.

Das nächstgelegene Café befindet sich im Great Court; ein weiteres Restaurant im Untergeschoss. Die Great Court Gallery zeigt wechselnde Ausstellungen. Die Bibliothek des Museums (jetzt British Library am St. Pancras) ist seit 1997 ausgelagert; der alte Reading Room ist für Besucher zugänglich.

Das Museum liegt im Londoner Stadtteil Bloomsbury, einer dichten Kulturzone: Das Dickens Museum, die Universität London und der Bedford Square sind fußläufig erreichbar. Ein großes Museum lässt sich nie in einem Besuch erschließen. Wiederkehren, Tageszeit variieren, zwischen kanonischen und weniger bekannten Räumen wechseln — und die Karte für den nächsten Besuch nutzen, um Verwandtes in der Stadt mitzudenken.