Die wichtigsten altägyptischen Sammlungen außerhalb Ägyptens
Wer Altägypten verstehen will, muss nicht zwingend in den Süden fliegen. Über Jahrzehnte sind in europäischen und amerikanischen Häusern Sammlungen entstanden, die in Tiefe und Bandbreite manchen ägyptischen Provinzmuseen nichts nachstehen. Die folgende Auswahl ist persönlich, aber gut verteidigbar zehn Institutionen, die jeder ernsthafte Ägypten-Reisende kennen sollte.
British Museum, London
Das British Museum besitzt den Stein von Rosette (1799 bei Rosette geborgen, Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphen durch Champollion 1822), die kolossale Büste Ramses' II. (den Younger Memnon) sowie ausgedehnte Bestände an Grabbeigaben. Rückgabeforderungen für den Stein von Rosette stehen weiterhin im Raum.
Ägyptisches Museum, Berlin (Neues Museum)
Das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel zeigt die Büste der Nofretete (aus Amarna, um 1340 v. Chr.), den Berliner Grünen Kopf und eine außergewöhnliche Sammlung aus der Amarna-Zeit, die auf deutschen Grabungen in Tell el-Amarna beruht. Die Wiedereröffnung des Hauses nach dem Wiederaufbau durch David Chipperfield 2009 ist eine der bedeutendsten Museumsleistungen Europas der letzten Jahrzehnte.
Louvre, Paris (Département des Antiquités égyptiennes)
Die Ägyptische Abteilung des Louvre verwahrt den Schreiber aus Saqqara (um 2500 v. Chr.), den Tierkreis von Dendera und die Apis-Stele, dazu umfangreiches ptolemäisches Material. Ein eigener Trakt am Pavillon Denon gibt dem Bestand die räumliche Tiefe, die ihm anstand.
Metropolitan Museum of Art, New York
Der wiedererrichtete Tempel von Dendur (1965 geschenkt), das Grab des Perneb und der außergewöhnliche Bestand an Statuen Senwosrets III. machen die ägyptischen Säle zu den meistbesuchten Räumen des Met. Der gläserne Sackler-Trakt um den Tempel ist eine bauliche Lösung von Rang.
Museo Egizio, Turin
Das älteste, ausschließlich Altägypten gewidmete Museum der Welt (gegründet 1824) hütet das Grab des Kha, den Turiner Königspapyrus und eine bedeutende koptische Textilsammlung. Die Neugestaltung 2015 hat das Haus didaktisch und atmosphärisch auf den heutigen Stand gebracht.
Petrie Museum, London
Das Petrie Museum am University College London bewahrt 80.000 Objekte aus den Grabungen von Flinders Petrie auf, mit besonderem Schwerpunkt auf Alltagsgegenständen, die anderswo selten zu sehen sind Werkzeuge, Schmuck und das berühmte Tarkhan-Kleid (um 3000 v. Chr., das älteste erhaltene gewebte Gewand der Welt). Wer das einfache Leben am Nil studieren will, kommt hier weiter als in den Glanzhäusern.
Ashmolean Museum, Oxford
Die ägyptischen Säle des Ashmolean zeigen den Narmer-Streitkolben, prädynastische Schminkpaletten und Königsbildnisse aus der Tutanchamun-Zeit. Die universitäre Anbindung sorgt für ungewöhnlich präzise wissenschaftliche Kontextualisierung des Frühägyptens.
Rijksmuseum van Oudheden, Leiden
Das Antikenmuseum von Leiden besitzt den Tempel von Taffeh, der 1969 von Ägypten als Dank für die Unterstützung bei der Versetzung der Tempel von Abu Simbel geschenkt wurde und in einem eigenen Saal komplett wiederaufgebaut steht ein museumsbaulicher Kraftakt, der den Besuch lohnt.
Puschkin-Museum, Moskau
Die ägyptische Abteilung des Puschkin-Museums beherbergt Fayum-Porträts, Statuarisches aus dem Alten Reich und Material aus den russischen Grabungen in Giza. Die Bestände sind weniger spektakulär als die Berliner oder Pariser, aber wissenschaftlich erstklassig.
Museum of Fine Arts, Boston
Die ägyptische Sammlung des MFA umfasst bedeutende Plastik des Alten Reichs aus den Giza-Grabungen George Reisners, allen voran die Mykerinos-Triaden. Die Aufstellung im neugestalteten Trakt zeigt, wie sich Forschungstiefe in Ausstellungsdramaturgie übersetzen lässt.
Den eigenen Reiseplan zusammenstellen
Jede thematische Auswahl lässt würdige Kandidaten aus betrachten Sie diese Liste als Ausgangspunkt. Über die Karte lassen sich weitere Häuser finden und nach Sammlungstyp und Land filtern für einen realistischen Routenplan, der nicht nur den Spitzentiteln folgt.