Zehn bedeutende Museen des Vereinigten Königreichs

Die nationalen Museen Großbritanniens sind seit 2001 in der Dauerausstellung kostenfrei eine Politik, die das Vereinigte Königreich zu einem der besucherstärksten Museumsländer der Welt gemacht hat. British Museum, Natural History Museum, V&A und National Gallery beherbergen jeweils Objekte, die jedes andere Haus zur Hauptadresse machen würden. Die Konzentration im Zentrum von London zwischen Bloomsbury und South Kensington, alles per U-Bahn oder Fußweg erreichbar macht das Land für Museumsreisende besonders gastfreundlich.
British Museum, London
Das 1753 mit der Schenkung von Hans Sloane gegründete British Museum in Bloomsbury, das erste öffentliche Nationalmuseum der Welt, hütet rund acht Millionen Objekte aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte. Das wichtigste Einzelobjekt ist der Stein von Rosetta, eine 196 v. Chr. entstandene Granodiorit-Stele mit dreischriftlichem Ptolemaios-Dekret, ohne die Champollion 1822 die Hieroglyphen nicht hätte entziffern können. Hinzu kommen der Helm von Sutton Hoo, die Lewis-Schachfiguren, die Parthenon-Marbles in der Duveen-Galerie sowie die rekonstruierten Fassaden des Nereiden-Monuments und des Mausoleums von Halikarnassos. Norman Fosters Great Court (2000) zählt zu den schönsten überdachten Innenhöfen Großbritanniens.
Victoria and Albert Museum, London
Das 1852 als Museum of Manufactures gegründete V&A in South Kensington besitzt über 2,8 Millionen Objekte aus 5000 Jahren angewandter Kunst und Design. Die Breite ist beispiellos: islamische Keramik, Raffaels Kartons für die Sixtinische Kapelle, das Great Bed of Ware, Tippus Tiger, Mode vom 17. Jahrhundert bis heute, Rodin-Bronzen und die Cast Courts mit ihren großformatigen Gipsabgüssen, darunter die in zwei Hälften aufgestellte Trajanssäule. Der Sackler Courtyard (2017) hat die Besucherinfrastruktur stark erweitert.
National Gallery, London
Die 1824 auf den Ankauf von 38 Bildern aus der Sammlung John Julius Angersteins gegründete National Gallery am Trafalgar Square verwahrt rund 2.600 Bilder europäischer Malerei zwischen 1250 und 1900. Die Dichte ist außergewöhnlich: van Eycks Arnolfini-Hochzeit, Holbeins Die Gesandten, Velázquez' Rokeby-Venus, Vermeers Junge Frau am Virginal, Turners Fighting Temeraire, eine Version von Van Goghs Sonnenblumen, Seurats Badende von Asnières. Der Sainsbury Wing von Venturi und Scott Brown (1991) beherbergt die Frührenaissance; die 2024 abgeschlossene Sanierung des Wilkins-Baus hat die Besucherführung deutlich verbessert.
Tate Modern, London
Das ehemalige Kraftwerk Bankside an der Südseite der Themse, von Herzog & de Meuron umgebaut und im Mai 2000 als Tate Modern eröffnet, verwahrt die internationale Moderne- und Gegenwartssammlung sowie Tates britische Bestände des 20. Jahrhunderts. Die Turbine Hall 155 Meter lang, 35 Meter hoch wird jährlich von einer großen Auftragsinstallation bespielt, etwa von Louise Bourgeois (Spider, 2000), Olafur Eliasson (The Weather Project, 2003/04) oder Carsten Höller. Die Dauerausstellung zeigt Picassos Weinende Frau, Dalís Metamorphose des Narziss, Rothkos Seagram Murals in einem von Rothko mitgeplanten Raum und bedeutende Bestände zu Arte Povera und britischem Pop. Der Switch House (2016) fügte zehn Geschosse hinzu.
Tate Britain, London
Tate Britain in Millbank, ursprünglich 1897 als Tate Gallery eröffnet, beherbergt mit rund 70.000 Werken die umfassendste Sammlung britischer Kunst von 1500 bis heute, darunter die weltweit größten Turner-Bestände (Vermächtnis des Künstlers 1856), die illuminierten Bücher William Blakes, die Präraffaeliten und bedeutende Werke von Hockney, Bacon, Freud und Bridget Riley. Der Turner Prize bringt die Gegenwart jährlich in Dialog mit dem historischen Bestand.
National Portrait Gallery, London
Die 1856 als erstes Porträtmuseum der Welt gegründete National Portrait Gallery in St Martin's Place wurde 2023 nach dreijähriger Sanierung wiedereröffnet. Die Sammlung umfasst rund 11.000 Bildnisse bedeutender britischer Persönlichkeiten von der Tudor-Zeit bis heute, darunter das Chandos-Porträt Shakespeares, das Darnley-Porträt Elisabeths I. und eine der meistgenutzten Fotoarchive der britischen Bildkultur. Jamie Fobert Architects haben dem Haus ein Dachrestaurant mit Blick auf den Trafalgar Square hinzugefügt.
Imperial War Museum, London
Das 1917 gegründete und seit 1936 im ehemaligen Bethlem Royal Hospital in Lambeth untergebrachte Imperial War Museum behandelt die modernen Kriege vom Ersten Weltkrieg bis heute. Die 2021 neu eröffneten Holocaust Galleries gehören zu den sorgfältigst inszenierten Darstellungen der Shoah in einem Museum überhaupt. Im Atrium hängen Spitfire, V2-Rakete und ein Mini-U-Boot von der Decke; die Kunstsammlung mit Auftragswerken an Paul Nash, Stanley Spencer und John Singer Sargent zählt zu den besten figurativen Beständen des britischen 20. Jahrhunderts.
Natural History Museum, London
Im 1881 fertiggestellten romanisch verkleideten Terrakotta-Bau Alfred Waterhouses verwahrt das Natural History Museum 80 Millionen Exemplare zur Geschichte des Lebens. Die Hintze Hall, 49 Meter lang, wurde 2017 umgestaltet: an die Stelle des Diplodocus-Abgusses Dippy ist das von der Decke abgehängte Skelett eines 25-Meter-Blauwals getreten. Das Darwin Centre (C. F. Møller, 2009) macht 17 Millionen zoologische und entomologische Präparate hinter Glaswänden öffentlich sichtbar. Der Wildlife Photographer of the Year ist die meistbesuchte fotografische Wechselausstellung des Landes.
Science Museum, London
Das 1857 in der Exhibition Road gegründete Science Museum besitzt über 400.000 Objekte zur Geschichte von Wissenschaft, Technik und Medizin. Die Galerie Making the Modern World ankert mit 2000 Originalen Stephensons Rocket (1829), die Apollo-10-Kapsel, Watson und Cricks DNA-Modell (1953), eine Teilrekonstruktion des Colossus die Narrative der Industrialisierung. IMAX-Kino und Wonderlab erweitern das Haus über das klassische Objektmuseum hinaus.
Ashmolean Museum, Oxford
Das 1683 in der Beaumont Street eröffnete Ashmolean, ältestes Universitätsmuseum der Welt, beherbergt Bestände vom alten Ägypten bis zu Präraffaeliten und chinesischer Keramik. Die ursprüngliche Sammlung kam aus dem Wunderkammer-Bestand John Tradescants des Älteren über Elias Ashmole an Oxford. Rick Mather Architects haben den Bau 2009 umfassend erweitert. Stark sind die Raffael-Zeichnungen, das angelsächsische Alfred Jewel und die minoischen und kykladischen Sammlungen aus Arthur Evans' Ausgrabungen.
Vom Lesen zum Planen
Sämtliche Häuser sind auf der Karte verzeichnet ein Londoner Museums-Schwerpunkt mit Oxford als Tagesausflug ergibt eine konsistente, in einer Woche realistische Route.