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Der Prado — eine Annäherung

Der Prado ist das ungewöhnlichste der großen europäischen Nationalmuseen. Während Louvre und National Gallery aus revolutionärer oder bürgerlicher Initiative entstanden, geht der Prado direkt auf die spanische Königssammlung zurück — und diese Herkunft prägt jeden Saal. Die folgende Annäherung versucht, die enorme Fülle in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, vom Bau über die Hauptbestände bis zur konkreten Besuchsplanung.

Von der Königssammlung zum Nationalmuseum

Der Prado wurde 1819 per königlichem Dekret Ferdinands VII. eröffnet, mit Werken aus der spanischen Königssammlung in einem neoklassizistischen Bau von Juan de Villanueva, der ursprünglich als Naturhistorisches Museum konzipiert war. Villanueva hatte das Gebäude zwischen 1785 und 1808 entworfen; die napoleonische Besatzung unterbrach den Bau und beschädigte die Substanz, die anschließend für Kunst umgenutzt wurde. Die Eröffnungsausstellung umfasste 311 Gemälde; die Sammlung ist inzwischen auf über 20.000 Werke angewachsen, von denen zu jedem Zeitpunkt rund 1.700 in der Dauerausstellung zu sehen sind.

Das Museum liegt am Paseo del Prado, der breiten, baumgesäumten Allee zwischen dem Bahnhof Atocha im Süden und dem Cibeles-Brunnen im Norden. Der wichtigste Eingang befindet sich auf der Seite des Goya-Tores, gegenüber dem Retiro-Park. Zusammen mit dem Reina Sofía (Moderne und Zeitgenössische Kunst, Heimat von Guernica) und dem Thyssen-Bornemisza bildet der Prado das sogenannte Goldene Dreieck der Kunst — eines der dichtesten Museumskörridore Europas. Aus Richtung Bahnhof Atocha (Metro-Linie 1) ist es ein kurzer Fußweg.

Velázquez

Der Prado bewahrt die weltweit größte Velázquez-Konzentration. Las Meninas (1656) bildet das Herz der zentralen Galerie im ersten Obergeschoss. Der Spiegel im Bild, der mehrdeutige Blickwinkel und die Identität der Figuren sind seit Jahrhunderten Gegenstand wissenschaftlicher Debatten; vor dem Werk selbst zu stehen ist eine der prägenden Erfahrungen in der europäischen Malerei. Die Übergabe von Breda (1635), bekannt als Las Lanzas, hängt im selben Flügel, ebenso wie Die Spinnerinnen (Las Hilanderas), Die Schmiede des Vulkan und die prachtvollen Reiterporträts Philipps IV., seiner Gemahlin und des Prinzen Baltasar Carlos. Die Reihe von Zwerg- und Narrenporträts — darunter das ernste Bildnis des Sebastián de Morra und des Diego de Acedo — zeugt von einer psychologischen Direktheit, die in jedem Jahrhundert selten wäre. Der Prado besitzt insgesamt mehr als 50 Gemälde von Velázquez.

Goya

Francisco de Goya (1746–1828) ist über sein gesamtes Schaffen vertreten, sodass der Prado-Bestand faktisch einer Retrospektive gleichkommt, die kein eigenständiges Goya-Museum übertreffen könnte. Die frühen Karikaturen für Tapisserien — heitere, festliche Genreszenen — hängen in den oberen Galerien. Die Porträts der Königsfamilie, darunter die berühmte Familie Karls IV. (1800), belegen die mittlere Phase. Die Radierungsfolge der Schrecken des Krieges (Desastres de la Guerra) schildert die Brutalität des Unabhängigkeitskrieges mit einer Schonungslosigkeit, die das zeitgenössische Publikum schockierte. Die Erschießung der Aufständischen am 3. Mai 1808 gehört zu den meistreproduzieren Gemälden der westlichen Kunst. Im Erdgeschoss schließlich hängen die Schwarzen Gemälde — ursprünglich Wandmalereien in Goyas Landhaus, der Quinta del Sordo, in den 1870er Jahren auf Leinwand übertragen. Saturn verschlingt seinen Sohn und Der Hexensabbat sind darunter die eindringlichsten.

El Greco

Doménikos Theotokópoulos, bekannt als El Greco (um 1541–1614), wurde auf Kreta geboren, lernte in Venedig in Tizians Umkreis und ließ sich schließlich in Toledo nieder, wo er die letzten vier Jahrzehnte seines Lebens verbrachte. Der Prado besitzt einen bedeutenden Bestand: Der Edelmann mit der Hand auf der Brust (um 1580) ist wohl das bekannteste Portrait der spanischen Kunst; Die Verkündigung und Christus mit dem Kreuz gehören zu seinen stärksten Andachtswerken. Die El-Greco-Sammlung des Prado ist die bedeutendste außerhalb von Toledo — wo das Hospital de Tavera und das Casa y Museo de El Greco weitere Hauptwerke bewahren. El Grecos gestreckte Figuren, intensive Farbigkeit und mystische Atmosphäre wurden zwei Jahrhunderte lang vernachlässigt, bevor eine Neubewertung im 19. Jahrhundert einsetzte, an der der Prado-Bestand entscheidenden Anteil hatte.

Bosch

Der Garten der Lüste (um 1490–1510) ist das meistbesprochene Triptychon der westlichen Kunst: das linke Flügelbild zeigt das Paradies, das riesige Mittelpanel eine Fantasie irdischer Freuden und Vergehen, der rechte Flügel eine alptraumhafte Hölle. Die spanischen Könige sammelten Hieronymus Bosch (um 1450–1516) mit ungewöhnlicher Intensität; der Prado besitzt außerdem den Heuwagen und die Anbetung der Heiligen Drei Könige sowie mehrere Einzeltafeln. Philipp II. bewahrte den Garten der Lüste im Escorial; dass Monarchen von so streng-orthodoxer Frömmigkeit Boschs surreale Bildwelten so obsessiv sammelten, bleibt eines der reizvollsten Rätsel der Kunstgeschichte. Das Gemälde ist heute in einem eigenen Saal untergebracht, der die gleichzeitige Betrachtung aller drei Tafeln aus der Nähe erlaubt.

Rubens

Philipp IV. lud Peter Paul Rubens (1577–1640) 1628-29 zu einer diplomatischen Mission nach Madrid ein; Rubens verbrachte den Aufenthalt mit Malen und dem Studium der Königssammlung und fertigte unter anderem Kopien nach Tizian an. Die daraus entstandene Freundschaft und königliche Förderung formten den außergewöhnlichen Rubens-Bestand des Prado: Die drei Grazien (um 1635), Adam und Eva (1628-29, eine Weiterführung eines Tizian-Motivs) sowie bedeutende mythologische Zyklen darunter Der Liebesgarten und Das Urteil des Paris. Der Prado besitzt mehr als 90 Werke von Rubens oder aus seinem Umkreis.

Italienische Renaissance und weitere Schulen

Die spanischen Habsburger waren im 16. und 17. Jahrhundert systematische Sammler italienischer Renaissancekunst, und der Prado spiegelt diesen Ehrgeiz. Der Tizian-Bestand ist außergewöhnlich: das große Reiterporträt Karls V. (1548), gemalt nach der Schlacht bei Mühlberg, ist eines der prägenden Bilder europäischen Herrschertums; die Danaë-Serie zeigt Tizians Spätstil auf höchstem Niveau. Raffaels Bildnis eines Kardinals (um 1510) ist eines der eindringlichsten Renaissanceporträts überhaupt. Der Prado besitzt zudem bedeutende Werke von Mantegna, Tintoretto, Veronese und Caravaggio sowie flämische Meister, darunter Rogier van der Weydens Kreuzabnahme (um 1435), die von Maria von Ungarn erworben wurde und im 16. Jahrhundert in die Königssammlung gelangte.

Erweiterung von 2007 und weitere Gebäude

Rafael Moneos Erweiterung von 2007, bekannt als Jerónimos-Gebäude, wurde hinter dem Kreuzgang der Kirche San Jerónimo el Real unmittelbar neben dem Villanueva-Bau errichtet. Der Anbau fügte rund 22.000 Quadratmeter neue Fläche hinzu — für Wechselausstellungen, einen neuen Haupteingang, Buchhandlung, Restaurant und Restaurierungswerkstätten. Moneos Ansatz — Ziegelverkleidung, die Villanuevas Farbigkeit aufgreift, und zurückgesetzte Baukörper, die die ältere Kirche respektieren — war bei der Planung umstritten, gilt heute aber allgemein als vorbildlich zurückhaltend. Das Museum hat zudem den Casón del Buen Retiro, einen Ballsaal des 17. Jahrhunderts in der Nähe, für Druckgrafik, Zeichnungen und Studiensammlungen integriert.

Die weniger bekannten Galerien

Jenseits der Hauptnamen belohnt der Prado ausgedehnte Erkundung. Die flämischen und deutschen Säle im Obergeschoss enthalten bedeutende Dürer-Gemälde — das Selbstbildnis (1498) und Adam und Eva — sowie gewichtige Bestände von Memling, Gerard David und Jan van Eyck. Die Skulpturengalerien umfassen antike und renaissance-zeitliche Bronzen aus der Königssammlung. Ein Raum zur Geschichte der Erwerbungen ist aufschlussreich für das Verständnis der Sammlungscharakters. Die romanischen und mittelalterlichen Bestände liegen in einem ruhigeren Bereich, den vergleichsweise wenige Touristen besuchen.

Besuchsstrategie

Das Museum befindet sich am Paseo del Prado 12, Madrid, wenige Gehminuten vom Bahnhof Atocha (Cercanías und Metro-Linie 1) oder Banco de España (Metro-Linie 2) entfernt. Der reguläre Eintritt liegt derzeit im Bereich von etwa 15–20 Euro für Erwachsene; in den letzten zwei Stunden an Werktagen und den letzten fünf Stunden an Wochenenden und Feiertagen ist der Eintritt frei. Online-Buchung im Voraus ist dringend empfohlen, besonders im Sommer und rund um spanische Feiertage.

Die regulären Öffnungszeiten liegen grob zwischen 10 und 20 Uhr an Werktagen (mit abweichenden Zeiten sonntags und feiertags); aktuelle Zeiten sollten auf der offiziellen Website geprüft werden. Ein konzentrierter zweistündiger Besuch kann die Highlights entlang des ausgeschilderten Kurzparcours abdecken — Velázquez, Goya, El Greco — doch die Sammlungen der Italienischen Renaissance und der flämischen Schulen rechtfertigen für sich genommen einen längeren Aufenthalt. Ein Halbtag im Prado, gefolgt von einem Nachmittag im Reina Sofía (zehn Gehminuten südlich am Paseo entlang), ergibt einen der besten Museumstage in Europa.

Auf der Karte sind der Prado und seine Nachbarn Reina Sofía und Thyssen-Bornemisza verzeichnet — gemeinsam bilden sie das Madrider Museumsdreieck und lassen sich gut über zwei oder drei Tage verteilen.