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Der Prado — eine Annäherung

Der Prado ist das ungewöhnlichste der großen europäischen Nationalmuseen. Während Louvre und National Gallery aus revolutionärer oder bürgerlicher Initiative entstanden, geht der Prado direkt auf die spanische Königssammlung zurück — und diese Herkunft prägt jeden Saal. Die folgende Annäherung versucht, die enorme Fülle in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen.

Von der Königssammlung zum Nationalmuseum

Der Prado wurde 1819 per königlichem Dekret Ferdinands VII. eröffnet, mit Werken aus der spanischen Königssammlung in einem neoklassizistischen Bau von Juan de Villanueva, der ursprünglich als Naturhistorisches Museum konzipiert war. Aus dieser Vorgeschichte erklären sich die spezifischen Schwerpunkte: viel Spanier, viel Italiener und Niederländer, vor allem das, was den Habsburgern und Bourbonen wichtig war.

Velázquez

Der Prado bewahrt die weltweit größte Velázquez-Konzentration. Las Meninas (1656) bildet das Herz der zentralen Galerie; Die Übergabe von Breda, Die Spinnerinnen, Die Schmiede des Vulkan, die Reiterporträts und die Zwerg- und Narrenporträts ergeben gemeinsam ein eigenes Museum im Museum.

Goya

Goya ist über sein gesamtes Schaffen vertreten. Die frühen Karikaturen für Tapisserien, die mittlere Phase mit den Königsfamilienporträts, die Radierungen der Schrecken des Krieges, Die Erschießung der Aufständischen am 3. Mai 1808 und schließlich die Schwarzen Gemälde aus der Quinta del Sordo im Erdgeschoss — ein konzentrierter Gang durch Goya allein lohnt einen ganzen Vormittag.

El Greco

Der toledanische El Greco ist mit dem Edelmann mit der Hand auf der Brust, der Verkündigung und Christus mit dem Kreuz vertreten — die stärkste El-Greco-Gruppe der Welt außerhalb Toledos.

Bosch

Der Garten der Lüste (um 1490-1500) ist eines von drei Bosch-Triptychen im Prado, neben dem Heuwagen und der Anbetung der Heiligen Drei Könige. Die spanischen Könige sammelten Bosch obsessiv; Philipp II. wollte ihn unbedingt im Escorial haben.

Rubens

Die Freundschaft Philipps IV. mit Rubens (Rubens reiste 1628-29 nach Madrid) hat den außergewöhnlichen Rubens-Bestand des Prado geformt: Die drei Grazien, Adam und Eva, mehrere mythologische Zyklen.

Italienische Renaissance

Die spanischen Könige erwarben über das sechzehnte und siebzehnte Jahrhundert hinweg große Tiziane (das Reiterporträt Karls V., die Danaë), Raffael (das Bildnis eines Kardinals) und Mantegna. Wer den italienischen Bestand der Habsburger sehen will, kommt am Prado nicht vorbei.

Erweiterung von 2007

Rafael Moneos Erweiterung von 2007 hinter dem Kreuzgang der Kirche San Jerónimo el Real fügte 22.000 Quadratmeter für Wechselausstellungen und Restaurierungswerkstätten hinzu. Der Anbau ist diskret und respektiert den Villanueva-Bau — eine seltener gewordene Tugend in der Museumsarchitektur.

Besuchsstrategie

Eintritt kostenpflichtig, mit täglichen Freistunden in den letzten zwei Stunden werktags und in den letzten fünf am Wochenende. Der ausgeschilderte Kurzparcours führt in etwa zwei Stunden durch Velázquez, Goya und El Greco — ein guter Einstieg, der sich beliebig vertiefen lässt.

Auf der Karte sind der Prado und seine Nachbarn Reina Sofía und Thyssen-Bornemisza verzeichnet — gemeinsam bilden sie das Madrider Museumsdreieck und lassen sich gut über zwei oder drei Tage verteilen.