Zehn bedeutende Museen Japans

Kaum eine Museumslandschaft ist so vielgestaltig wie die japanische. Buddhistische Plastik und Hofobjekte werden in Tokio und Kyoto mit fast asketischer Präzision gezeigt, in den Hügeln von Hakone wird Skulptur ins Freie gestellt, an der Bucht von Tokio bauen teamLab und Mori ihre digitalen Universen, und die Insel Naoshima ist zur Pilgerstation für Museumsarchitektur geworden. Wer eine Japanreise um Museen herum plant, sollte zwei Dinge bedenken: viele Häuser schließen montags, und an den großen Adressen entscheidet die Ankunftszeit über die Erfahrung.
Tokioter Nationalmuseum, Ueno
Das 1872 gegründete Tokioter Nationalmuseum ist das älteste und größte Haus des Landes mit rund 120.000 Objekten zur japanischen Kunst und Archäologie. Der Honkan-Bau Jin Watanabes von 1938 zeigt die japanische Sammlung in 24 chronologisch geordneten Sälen; der Toyokan widmet sich der asiatischen Kunst von China bis Zentralasien. Mit 89 Nationalschätzen und 648 weiteren Kulturgütern erster Klasse rotieren die Vitrinen regelmäßig. Dienstag bis Sonntag.
Nationalmuseum für moderne Kunst, Tokio (MOMAT)
Das MOMAT im Kitanomaru-Park nahe dem kaiserlichen Palast, 1969 in einem Bau Yoshiro Taniguchis eröffnet, beherbergt etwa 13.000 Werke moderner japanischer und internationaler Kunst von der Meiji-Zeit bis heute. Die Hängung im vierten Stock liest sich rückwärts von der Gegenwart bis 1900, mit einem Schlussraum, dessen Fenster den kaiserlichen Burggraben einfasst. Die Stärke des Hauses sind die japanischen Maler des 20. Jahrhunderts Yokoyama Taikan, Kishida Ryusei, Kume Keiichiro. Montag geschlossen.
Mori Art Museum, Tokio
Im 53. Stock des Roppongi Hills Mori Tower, 2003 eröffnet, arbeitet das Mori Art Museum ohne ständige Sammlung. Das Konzept großformatige Wechselausstellungen zwischen asiatischer Gegenwartskunst und internationalen Namen, geöffnet bis 22 Uhr, an manchen Tagen bis Mitternacht hat das Haus zum meistbesuchten Zentrum für zeitgenössische Kunst Asiens gemacht. Yayoi Kusama-Retrospektiven wechseln sich mit Schauen zu indonesischer oder thailändischer Gegenwartskunst ab. Täglich geöffnet.
Hakone Open-Air Museum
Das 1969 eröffnete erste japanische Skulpturenfreigelände liegt in einem Tal des Fuji-Hakone-Izu-Nationalparks und zeigt rund 120 Außenarbeiten von Henry Moore, Rodin, Picasso, Calder und anderen auf sieben Hektar. Der Picasso-Pavillon vereint über 300 Werke aus allen Medien und gehört zu den umfangreichsten Picasso-Beständen Asiens. Vereinzelt führen Fußbäder mit heißen Quellen durch das Gelände. Vom Tokioter Hauptbahnhof in unter 90 Minuten mit dem Romancecar erreichbar.
Chichu Art Museum, Naoshima
Tadao Andos 2004 fertiggestelltes Chichu auf Naoshima zeigt nur fünf Werke: drei großformatige Seerosenbilder Monets, eine Installation James Turrells und Walter De Marias Time/Timeless/No Time mit einer polierten Granitsphäre. Sämtliche Galerien liegen unter Tage in Andos charakteristischem Sichtbeton und werden ausschließlich von oben mit Tageslicht versorgt. Besucherzahlen sind limitiert, Vorbuchung Pflicht. Mit dem Lee-Ufan-Museum und dem Benesse House ist Naoshima ein Tagesziel der Architekturgeschichte.
teamLab Planets, Tokio
teamLab Planets in Toyosu erstreckt sich auf 10.000 Quadratmetern und führt barfuß durch Wasserräume, in denen digitale Projektionen auf Bewegung reagieren. 520 Computer und 470 Projektoren erzeugen Effekte, die kein konventioneller Galerieraum reproduzieren kann. Das Haus zählt zu den meistbesuchten Kunstadressen weltweit. Tickets werden mit Zeitfenster vergeben und sind in Schulferien Wochen im Voraus ausverkauft.
Nationalmuseum Kyoto
Das 1897 gegründete Kyoto National Museum in Higashiyama-ku beherbergt rund 12.000 Objekte zur tausendjährigen Hauptstadtgeschichte. Der Meiji-zeitliche Kotokan im französischen Renaissancestil dient für Sonderausstellungen, der Heisei-Chishinkan-Trakt von Taniguchi (2014) bietet das moderne Schaumagazin. Die Sammlung buddhistischer Plastik aus der Heian- und Kamakura-Zeit hat außerhalb der Tempelschätze keinen Vergleich. Montag geschlossen.
Nationalmuseum Nara
Das 1895 gegründete Nara National Museum am Park gilt als Spezialist für buddhistische Kunst von der Asuka- bis zur Edo-Zeit. Die Halle der buddhistischen Plastik zeigt über 100 Figuren in einer Architektur, die an japanische Schatzhäuser erinnert. Im Oktober/November ist das Haus Gastgeber der Shosoin-Ausstellung, in der eine Auswahl aus den 9.000 Kaiserlichen Schätzen aus dem Todaiji für zwei Wochen öffentlich zu sehen ist Tickets werden verlost.
Miho Museum, Shiga
Das 1997 von I. M. Pei in den Hügeln der Präfektur Shiga errichtete Miho Museum wird durch einen 157 Meter langen Tunnel erschlossen, der sich auf einen halb in den Berg eingelassenen Glas-Stahl-Bau öffnet. Die Sammlung der religiösen Vereinigung Shinji Shumeikai umfasst ägyptische, griechische, römische, persische, asiatische und japanische Kunst in tagesbelichteten Sälen. Theatralischer Anfahrtsweg und Sammlung gehen eine seltene Allianz ein. Per Shuttlebus ab Shin-Miho-Yamaguchi.
Edo-Tokyo Museum (vorübergehend geschlossen)
Kiyonori Kikutakes Bau von 1993 in Sumida hebt die Hauptgalerien auf 43 Meter hohe Piloten und verweist damit auf traditionelle Pfahlbauten. Wegen umfassender Sanierung ist das Haus seit 2022 voraussichtlich bis 2026 geschlossen. Vor der Schließung zeigte es maßstäbliche Rekonstruktionen Edo-zeitlicher Bürgerhäuser, eine Nachbildung der Nihonbashi-Brücke und Dioramen zum Erdbeben von 1923 und den Brandbombennächten 1945. Vor Reiseplanung Öffnungsstatus prüfen.
Alle auf einen Blick
Alle genannten Häuser sind auf der Karte verzeichnet ein nüchterner Anker für die Streckenplanung quer durch das museale Japan.