Die zehn wichtigsten Museen Chinas
China hat in zwei Jahrzehnten massiv in seine Museumsinfrastruktur investiert und einige der größten Institutionen der Welt gebaut. Zugleich sind regionale Häuser entstanden, die tiefe lokale Geschichten kontextualisieren. Die folgenden zehn Adressen reichen von der kaiserlichen Hofsammlung über altertümliche Grabarchäologie und Seidengeschichte bis zur bronzezeitlichen Klangmusik eine Bandbreite, die den außergewöhnlichen Tiefblick der chinesischen Zivilisation widerspiegelt.
1. Palastmuseum, Peking
Das Palastmuseum, 1925 in der ehemaligen Verbotenen Stadt gegründet, verwahrt etwa 1,86 Millionen Objekte die größte Sammlung jedes chinesischen Museums darunter kaiserliche Malerei, Bronzen, Keramik, Jade, Hofmöbel und Aktenbestände der Song-, Yuan-, Ming- und Qing-Dynastien. Die 72 Hektar große Anlage mit 980 erhaltenen Gebäuden wurde zwischen 1406 und 1420 unter dem Yongle-Kaiser errichtet. Ein in den 2010er Jahren gestartetes Digitalisierungsprogramm hat über 50.000 hochauflösende Bilder öffentlich verfügbar gemacht. Das Haus zählt jährlich rund 20 Millionen Besucher, geregelt durch Online-Zeitfensterbuchung. Tickets sind in Hochsaisonen Wochen im Voraus ausverkauft.
2. Shanghai Museum, Shanghai
Das Shanghai Museum, 1996 in seinem heutigen Bau am People's Square eröffnet (Architekt: Xing Tonghe, dessen runde Form ein altes Bronze-Ding-Gefäß zitiert), beherbergt 140.000 Objekte zu chinesischen Bronzen, Keramik, Kalligrafie, Malerei, Jade, Münzen, Möbeln und der Kunst der Minderheitenvölker. Die Bronzesammlung von der Shang-Dynastie (ab ca. 1600 v. Chr.) bis zur Han-Zeit gilt als die feinste außerhalb des Palastmuseums. Der freie Eintritt seit 2009 macht das Haus zu einem der meistbesuchten des Landes. Ein zweiter Standort in Pudong ist im Aufbau.
3. Nationalmuseum von China, Peking
Das Nationalmuseum von China an der östlichen Seite des Tiananmen-Platzes, 2003 aus der Fusion des Nationalmuseums für chinesische Geschichte und des Nationalmuseums der chinesischen Revolution hervorgegangen, ist nach Fläche eines der größten Museen der Welt. Die Sanierung und Erweiterung von gmp Architekten 2011 brachte die Nutzfläche auf knapp 200.000 Quadratmeter. Die Galerie Altes China verfolgt die Zivilisation von prähistorischen Kulturen bis zur Qing-Zeit; die Dauerausstellung Weg der Erneuerung deckt die moderne chinesische Geschichte ab 1840 ab. Das Haus zeigt den originalen Bronzewagen aus dem Mausoleum des Qin Shi Huang. Freier Eintritt nach Online-Registrierung.
4. Suzhou Museum, Suzhou
I. M. Pei entwarf das Suzhou Museum (Eröffnung 2006) als sein erklärtes Abschiedsgeschenk an die Heimatstadt. Das Gebäude vermittelt zwischen den weiß verputzten Mauern des angrenzenden UNESCO-Weltkulturerbes Garten des Bescheidenen Beamten und der Geometrie seiner früheren Louvre-Pyramide. Granit, Stahl und Glas verschränken sich mit Wasserflächen zu einer Komposition, die zeitgenössisch und doch in der klassischen Gartentradition kontinuierlich wirkt. Die Sammlung deckt die Geschichte Suzhous als Zentrum der Seidenproduktion, der Kun-Oper, der Kalligrafie und Malerei ab, mit besonderer Stärke bei Wu-Schule-Werken der Ming-Zeit. Freier Eintritt.
5. China National Silk Museum, Hangzhou
Das China National Silk Museum in Hangzhou, 1992 eröffnet und seither erheblich erweitert, ist das größte Textilmuseum der Welt, das einem einzigen Material gewidmet ist. Die Sammlung umfasst 5.000 Jahre Seidenproduktion von der Liangzhu-Kultur bis heute, mit Webstühlen, Farbproben, kaiserlichen Gewändern und Handelsstücken der Seidenstraßen, die chinesische Seide nach Rom und Byzanz brachten. Das Restaurierungslabor zählt zu den aktivsten Textilkonservierungseinrichtungen Asiens. Freier Eintritt; nahe dem Westsee gelegen.
6. Museum der Terrakotta-Armee, Xi'an
Das Mausoleumsmuseum des Qin Shi Huang nahe Xi'an im Volksmund Terrakotta-Armee-Museum umfasst die 1974 von Bauern beim Brunnenbohren entdeckten Grubenkomplexe. Allein Grube 1 enthält schätzungsweise 6.000 lebensgroße Tonsoldaten, Pferde und Streitwagen in Schlachtformation; Gruben 2 und 3 zeigen Kavallerie, Bogenschützen und Kommandoeinheiten. Die Figuren waren ursprünglich farbig gefasst; die Konservierungsforschung zur Bewahrung dieser Farben auf neu freigelegten Stücken gehört zu den technisch anspruchsvollsten Vorhaben der gegenwärtigen Museumswissenschaft. Der eigentliche Grabhügel des Kaisers bleibt unerschlossen. Tickets in den Goldenen-Woche-Ferien dringend vorab buchen.
7. Hong Kong Palace Museum, Hongkong
Das Hong Kong Palace Museum, im Juli 2022 im West Kowloon Cultural District eröffnet, entstand durch ein Kooperationsabkommen mit dem Palastmuseum in Peking, das die dauerhafte Präsentation kaiserlicher Sammlungen in Hongkong vorsieht. Der Bau Rocco Yim bietet rund 35.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in neun Dauergalerien mit Bronzen, Jade, Malerei, Möbeln und Aktenbeständen aus der Verbotenen Stadt. Es handelt sich um das jüngste große Museum Hongkongs und um die größte Leihgabe des Palastmuseums an eine Institution außerhalb des Festlandes.
8. Shaanxi History Museum, Xi'an
Das Shaanxi History Museum, 1991 in Xi'an eröffnet, deckt die Geschichte der Provinz Shaanxi geografisches Herz der frühen chinesischen Zivilisation vom Paläolithikum bis zur Qing-Zeit ab. Über 170.000 Objekte: dreifarbige Glaskeramik der Tang-Zeit, Han-zeitliche Bronzespiegel, Zhou-zeitliche Bronzen und der Hejiacun-Schatz, ein 1970 entdecktes Konvolut kaiserlicher Tang-Gold- und Silberobjekte, das zu den spektakulärsten Hortfunden der chinesischen Archäologie zählt. Freier Eintritt für die meisten Besucher; beliebte Sondergalerien erfordern separat gebuchte Tickets.
9. Hubei Provincial Museum, Wuhan
Das Hubei Provincial Museum in Wuhan ist für einen einzigen Fund weltberühmt: das ungestörte Grab des Marquis Yi von Zeng, 1978 in Leigudun in Ostbubei freigelegt. Zu den Beigaben zählte ein Set von 65 Bronze-Klangschalen Bianzhong über fünf Oktaven Tonumfang, die sich noch heute spielen lassen, obwohl sie um 433 v. Chr. gegossen wurden. Die Schellen in ihrem ursprünglichen lackierten Holzgerüst sind eines der erstaunlichsten Objekte aller chinesischen Museen. Hinzu kommen bedeutende Chu-Bronzen.
10. Sichuan Museum, Chengdu
Das Sichuan Museum in Chengdu, 2009 in einen 70.000 Quadratmeter umfassenden Neubau umgezogen, beherbergt über 320.000 Objekte zur eigenständigen Kulturgeschichte Sichuans von der bronzezeitlichen Sanxingdui-Kultur (ca. 1600-1100 v. Chr.) bis zu tibetisch-buddhistischer Kunst und Sichuan-Opern-Kostümen. Die Sanxingdui-Galerie zeigt Objekte aus den Bronzezeit-Opfergruben bei Guanghan außergewöhnliche bronzene Großaugenmasken und eine Gesichtsmaske aus Goldfolie ohne Parallele im sonstigen chinesischen archäologischen Befund. Die Hauptbestände stehen seit dem Großausbau 2023 im eigens errichteten Sanxingdui Museum in Guanghan.
Vor der Reiseplanung lohnt sich ein Blick auf die Karte: Sie zeigt die Häuser, ihre Standorte und Verbindungen zwischen Peking, Xi'an, Hangzhou und Shanghai.