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Die Eremitage — ein Museum als Stadt

Die Eremitage in Sankt Petersburg ist weniger ein Haus als eine ganze Stadt im Haus. Sechs Gebäude entlang der Newa und am Schlossplatz beherbergen rund drei Millionen Objekte; allein wenn man jedem Stück eine Minute schenken würde, vergingen mehr als elf Jahre. Die folgende Annäherung gliedert Geschichte, Bestand und einen vernünftigen Besuchsablauf.

Von Katharinas Ankauf zum Staatsmuseum

Den Gründungsakt der Eremitage bildet der Ankauf der Berliner Sammlung Johann Ernst Gotzkowskys durch Zarin Katharina die Große im Jahr 1764. Mit den damals erworbenen 225 Gemälden begann eine systematische Sammlungspolitik, die unter Katharina, Paul I. und den nachfolgenden Romanows zur größten Privatsammlung Europas anwuchs. Nach der Oktoberrevolution wurde der Bestand 1917 verstaatlicht; in den dreißiger Jahren mussten unter Stalin allerdings einige Spitzenwerke an westliche Käufer verkauft werden, die heute in der Andrew W. Mellon Collection in Washington hängen.

Sechs Gebäude

Der Komplex umfasst den Winterpalast, die Kleine Eremitage, die Alte Eremitage, die Neue Eremitage, das Eremitage-Theater und das Generalstabsgebäude am gegenüberliegenden Schlossplatzrand. Jedes Gebäude hat eine eigene Bauphase und eigene architektonische Handschrift — vom barocken Rastrelli-Bau des Winterpalasts bis zur Klassizistik Leo von Klenzes für die Neue Eremitage.

Westeuropäische Malerei

Zu den Höhepunkten der westeuropäischen Sammlung zählen die Benois-Madonna und die Madonna Litta von Leonardo da Vinci, zwei Raffael, 27 Rembrandt — darunter Die Rückkehr des verlorenen Sohnes und Danaë, das 1985 mit Säure attackiert und über zwölf Jahre restauriert wurde — sowie ein ungewöhnlich starker Rubenssaal. Dazu Tizian, Veronese, Velázquez und Murillo.

Impressionismus im Generalstabsgebäude

Mit der Wiedereröffnung des Generalstabsgebäudes 2014 wurden die Impressionisten und Postimpressionisten in die von Studio 44 grunderneuerten Säle verlegt. Die Sammlungen Schtschukin und Morosow — beschlagnahmt 1918 — bilden einen der wichtigsten Bestände an Matisse, Picasso und Cézanne weltweit.

Schatzkammer

Zwei Galerien sind nur mit Führung zugänglich: die Goldsäle mit skythischem Gold aus den nördlichen Schwarzmeersteppen und antikem Gold aus den griechischen Kolonien sowie die Diamantensäle mit den Kronjuwelen des Zarenreichs und Fabergé-Eiern.

Orientabteilung

Die Sammlungen aus Zentralasien, dem Kaukasus, Indien, China und Japan gehen auf russische Expeditionen des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts zurück. Besonders bemerkenswert sind die Funde aus Pasargadae und aus den Höhlentempeln von Dunhuang.

Die Prunksäle des Winterpalasts

Die Staatsräume des Winterpalasts gehören selbst zur Sammlung: die Jordan-Treppe, der Thronsaal, der Malachitsaal und die 1812er-Galerie mit den Porträts der Generäle der Befreiungskriege gegen Napoleon. Wer den Palast nur als architektonisches Ensemble besucht, hätte schon Stoff für einen vollen Tag.

Aktuelle Lage

Seit 2022 sind internationale Leihverkehre und Kooperationen der Eremitage weitgehend ausgesetzt. Direktor Michail Piotrowski führt das Haus weiter, der Betrieb im Inland läuft. Westliche Reisende sollten sich vor einem Besuch über Einreisebestimmungen und Versicherungsfragen informieren — der Sammlungsbestand bleibt jedoch außergewöhnlich.

Auf der Karte ist der Komplex verzeichnet und lässt sich mit Petersburger Schwesterhäusern und Vorortpalästen zu einer mehrtägigen Reise verbinden.