Die zehn wichtigsten Museen Österreichs
Österreich ist museal vor allem ein Wiener Land — und das hat einen historischen Grund: Die kaiserlichen Sammlungen der Habsburger sitzen bis heute überwiegend in der Hauptstadt. Doch eine seriöse Reise braucht auch Salzburg und Linz. Die folgenden zehn Häuser bilden das Rückgrat einer solchen Tour. Eine gute Planung spart Geld: Das Wien City Card Museum Bundle sowie das Salzburg Card ermöglichen freien oder vergünstigten Eintritt in viele Häuser und eignen sich besonders bei Aufenthalten von mehreren Tagen.
Kunsthistorisches Museum, Wien
1891 in einem Ringstraßenpalast von Gottfried Semper und Karl von Hasenauer eröffnet, besitzt das Kunsthistorisches Museum die weltweit größte Bruegel-Sammlung — Die Jäger im Schnee, Der Turmbau zu Babel, die Bauernhochzeit — daneben Vermeers Die Malkunst und Raffaels Madonna im Grünen. Einen eigenen Saal belegen Gemälde von Caravaggio, Tizian und Velázquez, die Erzherzog Leopold Wilhelm im 17. Jahrhundert in den Spanischen Niederlanden erwarb. Die Münzsammlung mit rund 700.000 Objekten und die Antikensammlung mit ägyptisch-orientalischer Abteilung ergänzen das Bild einer enzyklopädischen Kaisersammlung. Das Museum öffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Ein Erwachsenenticket kostet rund 21 Euro. Die nächste U-Bahn-Station ist Museumsquartier (U2) oder Volkstheater (U2/U3), von der Stadtmitte in fünf Gehminuten erreichbar.
Belvedere, Wien
Im Oberen Belvedere hängt Gustav Klimts Der Kuss (1907–08) — das am meisten reproduzierte österreichische Gemälde überhaupt. Klimts Judith, Egon Schieles Porträts und große Arbeiten von Oskar Kokoschka und Hans Makart füllen die Räume des langen neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Das 1723 für Prinz Eugen von Savoyen fertiggestellte Barockschloss ist selbst ein Hauptwerk — der Marmorsaal, die Fresken und die Gartenanlage mit Blick auf die Wiener Skyline gehören zum Gesamtkunstwerk. Das Untere Belvedere zeigt Barockmalerei und das Orangerie-Ausstellungsprogramm ergänzt das Jahresangebot. Eintritt Oberes Belvedere ca. 16–20 Euro, kombiniert mit Unterem Belvedere etwas mehr; geöffnet täglich 10 bis 18 Uhr, freitags bis 21 Uhr. U-Bahn: Taubstummengasse (U1), dann zehn Minuten Fußweg durch den Schlosspark.
Albertina, Wien
Die Albertina am Augustinerplatz, direkt neben der Staatsoper, bewahrt eine der bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt: über eine Million Druckgrafiken und 65.000 Zeichnungen, darunter Dürers Junger Hase und die Betenden Hände. Diese Meisterblätter sind jedoch fragil und rotieren — man sollte vor dem Besuch prüfen, welche aktuell ausgestellt sind. Im Obergeschoss kommt mit der Sammlung Batliner ein hochkarätiger Bestand an Monet, Picasso, Chagall und Rothko hinzu. Sonderausstellungen zu Picasso, Basquiat oder Monet gehören regelmäßig zu den meistbesuchten Ausstellungen Wiens. Die ehemaligen Prunkräume der Habsburger sind im Rundgang integriert. Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr. Eintritt ca. 18–21 Euro je nach Sonderausstellung. Anreise: U1/U2/U4 Karlsplatz, dann fünf Minuten Fußweg; oder direkt Straßenbahn D bis Oper/Karlsplatz.
MuseumsQuartier, Wien
Hinter den ehemaligen Hofstallungen, wenige Gehminuten von der Ringstraße entfernt, liegt das MuseumsQuartier — eines der größten Kulturareale der Welt. Das Leopold Museum beherbergt die größte Schiele-Konzentration: über 40 Werke des Malers sowie wichtige Arbeiten Klimts und Kokoschkas. Das mumok (Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig) konzentriert sich auf Pop Art, Fluxus, Nouveau Réalisme und zeitgenössische Kunst. Die Kunsthalle Wien bespielt zwei Standorte im Quartier mit wechselnden Gegenwartsausstellungen. Jedes Haus hat eigenständige Öffnungszeiten und Ticketpreise; ein Leopold-Museum-Ticket kostet rund 15–18 Euro. Der Innenhof mit seinen charakteristischen Liegestühlen — den „Enzis" — lädt zum Verweilen und ist kostenlos zugänglich. U-Bahn: Museumsquartier (U2) direkt am Eingang.
Naturhistorisches Museum, Wien
Gegenüber dem Kunsthistorisches Museum spiegelbildlich angelegt und von denselben Architekten entworfen, bewahrt das Naturhistorisches Museum die rund 29.500 Jahre alte Venus von Willendorf — eine der bekanntesten Statuetten der Urgeschichte. Die Meteoritensammlung gilt als eine der weltweit wichtigsten und umfasst über 1.000 Objekte, darunter Mondgestein und einen Steinmeteoriten von über einer Tonne. Weitere Schwerpunkte: Dinosaurierskelette, ein vollständig erhaltenes Diplodocus-Exemplar sowie die Mineraliensammlung. Das Haus öffnet mittwochs bis montags von 9 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr; dienstags geschlossen. Eintritt ca. 15 Euro. U-Bahn Museumsquartier (U2) oder Volkstheater (U2/U3).
Sigmund-Freud-Museum, Wien
Freuds Wohnung und Behandlungszimmer in der Berggasse 19, in denen er von 1891 bis zu seiner Emigration 1938 nach London wirkte, vermitteln ein eindrückliches Bild der bürgerlichen Praxis der Jahrhundertwende. Die berühmte Couch steht im Freud Museum London; in Wien sind Original-Möbel, Antiquitäten, Briefe und Fotografien zu sehen. Eine Dauerausstellung zur Biographie Freuds und zur Entstehung der Psychoanalyse ergänzt die Wohnräume. Der Wartesaal ist nahezu im Originalzustand erhalten. Geöffnet täglich 10 bis 18 Uhr. Eintritt ca. 15 Euro. Straßenbahn D oder 37/38/40/41/42 bis Schlickgasse oder U2 Schottentor, dann zehn Minuten Fußweg durch das neunzehnte Bezirk-Grätzel. Familien mit Interesse an der Geistesgeschichte der Moderne finden hier einen der eindringlichsten Orte Wiens.
Schloss Schönbrunn, Wien
Die Sommerresidenz der Habsburger — weitläufiger noch als Versailles in ihrer Gartenanlage — ist heute eines der meistbesuchten Kulturdenkmäler Mitteleuropas. Vier Millionen Besucher pro Jahr kommen zu den 1.441 Räumen des Schlosses, von denen 40 für Besucher geöffnet sind. Die Prunkräume vermitteln das höfische Leben des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts: der Spiegelsaal, in dem der sechsjährige Mozart für Maria Theresia spielte, das chinesische Kabinett, die Millionenzimmer mit Rosenholzvertäfelung. In der ehemaligen Wagenburg sind kaiserliche Karossen ausgestellt, darunter die vergoldete Kaiserkutsche von 1765. Das Grand Ticket mit Führung durch alle 40 Räume und Zugang zur Gloriette kostet rund 26–30 Euro. Geöffnet täglich, Sommerzeiten ab 8 Uhr. U4 Schönbrunn, direkt vor dem Schlosstor.
Mozarts Geburtshaus, Salzburg
Mozarts Geburtshaus in der Getreidegasse 9, in dem der Komponist am 27. Januar 1756 zur Welt kam und bis zu seinem siebzehnten Lebensjahr lebte, zeigt seine Kindergeige, Familienporträts von Johann Nepomuk della Croce sowie Originalmanuskripte früher Kompositionen. Die Atmosphäre des bürgerlichen Wohnens im barocken Salzburg bleibt in den niedrigen Räumen mit Kassettendecken erhalten. Ergänzend ist unweit davon Mozarts Wohnhaus am Makartplatz 8 zu besuchen, in das die Familie 1773 übersiedelte und in dem Mozart bis zu seinem endgültigen Wien-Umzug 1781 wohnte. Beide Häuser werden von der Internationalen Stiftung Mozarteum betrieben. Geburtshaus geöffnet täglich 9 bis 17:30 Uhr, im Sommer bis 20 Uhr. Eintritt ca. 12–13 Euro. In Laufweite der Festung Hohensalzburg, im Herzen der Altstadt (UNESCO-Welterbe).
Museum der Moderne, Salzburg
Auf dem Mönchsberg — einem Felssporn hoch über der Altstadt — mit Panoramablick über Salzburg präsentiert das Museum der Moderne eine starke österreichische Nachkriegs- und Gegenwartskunst: Fotografie von Elfie Semotan, Gemälde von Maria Lassnig und Arnulf Rainer sowie internationale Positionen. Das Gebäude aus Beton und Glas wurde 2004 nach Plänen von Friedrich Hoff Zwink eröffnet und setzt sich bewusst vom barocken Stadtbild ab. Ein zweiter Standort, der Rupertinum in der Innenstadt, zeigt grafische und fotografische Werke. Auf den Mönchsberg gelangt man zu Fuß (steiler Anstieg ab Gstättengasse, ca. 15 Minuten) oder mit dem Mönchsberglift (kurze Fahrt, ca. 2,50 Euro). Museum-Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, dienstags bis 20 Uhr. Eintritt ca. 12 Euro. Die Terrasse des hauseigenen Cafés gehört zu den schönsten Aussichtspunkten der Stadt.
Ars Electronica Center, Linz
Das Ars Electronica Center in Linz, direkt an der Donau mit der ikonischen LED-Fassade, ist dem Verhältnis von Kunst, Technologie und Gesellschaft gewidmet. Es veranstaltet das jährliche Ars-Electronica-Festival — eines der renommiertesten Festivals für digitale Kunst weltweit, seit 1979 — und betreibt den "Deep Space 8K": einen immersiven Projektionsraum mit 16 mal 9 Meter großer Wand- und Bodenprojektion in 8K-Auflösung, der digitale Stadtpläne, Weltraumsimulationen und Kunstwerke auf eine Weise erfahrbar macht, die kein Bildschirm replizieren kann. Dauerausstellungen beschäftigen sich mit künstlicher Intelligenz, Robotik und dem menschlichen Körper. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 9 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 10 bis 18 Uhr. Eintritt ca. 13–16 Euro. Anreise: Bahnhof Linz Hauptbahnhof, dann Straßenbahn Linie 3 bis Bulgariplatz, fünf Minuten Fußweg. Linz selbst ist per Bahn von Wien in rund 90 Minuten erreichbar.
Auf der Karte sind die zehn Häuser eingetragen — eine Wienreise von vier Tagen plus zwei Tage Salzburg/Linz fasst das Wesentliche. Wer Wien allein intensiv erkunden möchte, sollte das Wien-Museum-Ticket (erhältlich an den Kassen oder online) prüfen: Es deckt zahlreiche Häuser ab und amortisiert sich schnell. Für Salzburg übernimmt diese Rolle die Salzburg Card, die auch Busse und Bergbahnen einschließt.