Die zehn wichtigsten Museen Australiens
Australien ist ein Kontinent — und das spürt jede Reise auch museumstechnisch. Wer eine ernsthafte Museumstour plant, kommt nicht ohne mehrere Inlandsflüge aus. Die fünf Hauptstädte auf der östlichen Seite des Kontinents — Canberra, Sydney, Melbourne, Brisbane und Hobart — liegen zwischen knapp einer und fast drei Flugstunden auseinander. Die folgende Liste enthält die zehn Häuser, die auf jeder vernünftigen Auswahl auftauchen würden, mit knappen Hinweisen darauf, was sie besonders macht, was man konkret sehen kann und wie man hinkommt.
National Gallery of Australia, Canberra
Am Lake Burley Griffin, einem kurzen Taxiweg vom Stadtzentrum entfernt, bewahrt die NGA Jackson Pollocks Blue Poles — das 1973 für zwei Millionen US-Dollar ungemein kontrovers angekaufte Werk, das in Australien fast so viel Aufsehen erregte wie das Gemälde selbst in Amerika. Daneben hat die NGA eine außergewöhnliche Sammlung von Aboriginal- und Torres-Strait-Islander-Kunst aufgebaut, die zu den umfangreichsten ihrer Art weltweit zählt. Das Haus beherbergt außerdem europäische Meister, asiatische Kunst und eine starke Abteilung für australische Malerei des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts. Der Eintritt in die Dauerausstellung ist kostenfrei; Sonderausstellungen kosten einen moderaten Aufpreis. Von der Innenstadt Canberras mit dem Bus oder Taxi in etwa zwanzig Minuten erreichbar; der nächste Flughafen ist Canberra Airport.
Art Gallery of New South Wales, Sydney
Im Domain-Park am Rand der Innenstadt gelegen, hat sich die AGNSW mit dem Sydney-Modern-Projekt von SANAA (eröffnet 2022) flächenmäßig verdoppelt. Der japanische Architekturstab entwarf den Erweiterungsbau als eine Reihe von Pavillons, die sich zur Bucht hin öffnen. Starker Bestand an australischer und zeitgenössischer Kunst; die Naala Badu-Hälfte mit dem Tank — ein umgenutzter Treibstoffbunker des Zweiten Weltkriegs aus Beton, jetzt einer der eigenartigsten Ausstellungsräume des Landes — ist für großformatige Installationen prädestiniert. Europäische Sammlung mit niederländischen Meistern und britischen Präraffaeliten. Eintritt in die Dauerausstellung kostenfrei; leicht zu Fuß vom CBD erreichbar oder mit Bus aus der Innenstadt.
National Museum of Australia, Canberra
Auf der Acton Peninsula, einer Halbinsel im Lake Burley Griffin, die zu Fuß vom Parlamentsviertel aus in zwanzig Minuten erreichbar ist, erzählt das NMA (Ashton Raggatt McDougall, 2001) die Geschichte Australiens von der indigenen Tiefenzeit über die Kolonisation bis in die multikulturelle Gegenwart. Der Bau selbst ist ein dekonstruktivistisches Statement: verschlungene Rampen, collagehafte Fassaden, ein absichtlich unabgeschlossenes Erscheinungsbild. Die Herzgalerie und Sammlungen zur Geschichte des Alltagslebens — Küchen, Autos, Sportmemorabilien — geben ein bodenständiges Gegenwicht zu den abstrakten Fragen nach nationaler Identität. Eintritt frei.
Australian Museum, Sydney
Das älteste Museum des Landes (gegründet 1827), in der College Street unweit des Hyde Park, vereinigt Naturgeschichte und Kulturgeschichte unter einem Dach. Besonders bemerkenswert sind die ethnografische Sammlung aus dem Pazifikraum — mit bedeutenden Exponaten aus Melanesien, Polynesien und Mikronesien — und die Paläontologie-Abteilung mit australischen Dinosaurierfunden, darunter Überreste des riesigen Beuteltiers Diprotodon optatum. Die Mineralogie-Galerie begeistert mit einer opulenten Edelstein- und Mineraliensammlung; die Kinder-Erlebnisbereiche machen das Haus zur guten Wahl für Familien. Nach einer umfangreichen Renovierung, die 2022 abgeschlossen wurde, zeigt sich das Haus in frischem Licht. Ein günstiger Eintrittspreis; per Stadtbahn oder Bus aus dem CBD in wenigen Minuten erreichbar.
MONA, Hobart
David Walshs Museum of Old and New Art, das 2011 eröffnete und am nördlichen Rand Hobarts liegt, ist mit der Fähre von der Innenstadt in rund zwanzig Minuten zu erreichen — ein eigener Erlebnisfaktor, da die Überfahrt zum Erlebnis dazugehört. Walsh, ein professioneller Spieler und Kunstsammler, hat einen unterirdischen Museumsbau errichten lassen, der sich drei Etagen tief in den Sandstein gräbt. Die bewusst provokativen, mitunter expliziten und immer eigenwilligen Werke — darunter Installationen von Chris Ofili, Sidney Nolan und Wim Delvoye — stehen neben ägyptischen Mumiensärgen und griechischen Vasen. Das Ergebnis ist ein Museum, das die Grenzen des Genres befragt. Eintrittspreis im oberen Mittelfeld; kostenlos für tasmanische Einwohner.
National Gallery of Victoria, Melbourne
Zwei Standorte: Der ursprüngliche Bau an der St Kilda Road (NGV International), wenige Gehminuten vom Bahnhof Flinders Street, zeigt europäische, asiatische und internationale Kunst, darunter bedeutende impressionistische Werke, mittelalterliche Bildteppiche und eine starke Grafiksammlung. Das Ian Potter Centre am Federation Square (Federation Square ist direkt gegenüber dem Bahnhof Flinders Street) beherbergt die australische Sammlung: von indigener Kunst über die Kolonialzeit bis zur Gegenwart. Gemeinsam bilden beide Häuser das meistbesuchte Museum Australiens. Eintritt in die Dauerausstellungen frei an beiden Standorten.
Powerhouse Museum, Sydney
Das Sydney'sche Museum für angewandte Kunst und Wissenschaft — mit Beständen zu Dampfmaschinen, Uhrmacherei, Raumfahrt, Design, Popkultur und Computern — befindet sich derzeit im Übergang: Das Gebäude in Ultimo (unweit des Darling Harbour) wird umgebaut, während in Parramatta, westlich der Innenstadt, ein neuer Hauptstandort entsteht. Wer in den nächsten Jahren reist, sollte den aktuellen Stand auf der Website des Powerhouse prüfen, da sich der Betrieb zwischen mehreren Standorten aufteilen kann. Das Museum ist für seine außergewöhnlich breite thematische Reichweite bekannt und spricht Kinder wie Erwachsene an.
Melbourne Museum
In den Carlton Gardens, neben dem Royal Exhibition Building (UNESCO-Weltkulturerbe), beherbergt das Melbourne Museum eine der vielfältigsten Sammlungen Australiens. Das präparierte Fell von Phar Lap — dem legendären neuseeländisch-australischen Rennpferd, das in den frühen 1930er-Jahren eine ganze Nation begeisterte — und das Herz desselben Tieres in zwei verschiedenen Vitrinen sind die bekanntesten Exponate. Daneben eine starke naturkundliche Abteilung mit Skeletten australischer Megafauna und die First-Peoples-Ausstellung Bunjilaka, die indigenes kulturelles Erbe in einem eigenständig gestalteten Bereich präsentiert. Per Stadtbahn vom CBD in wenigen Minuten erreichbar; moderater Eintrittspreis.
Queensland Art Gallery / GOMA, Brisbane
Die beiden QAGOMA-Häuser am South Bank des Brisbane River — Queensland Art Gallery (1982) und Gallery of Modern Art (2006) — liegen Seite an Seite und sind zu Fuß von der Innenstadt erreichbar. GOMA ist das größte Haus für moderne und zeitgenössische Kunst in Australien außerhalb von Sydney. Die alle zwei Jahre stattfindende Asia Pacific Triennial of Contemporary Art (APT) zählt zu den wichtigsten Großausstellungen der Region und zieht internationale Leihgaben aus dem gesamten asiatisch-pazifischen Raum an. Die ständige Sammlung von Werken aus Südostasien, dem Pazifik und Ostasien ist die stärkste ihrer Art im Land. Eintritt in die Dauerausstellungen frei.
Australian War Memorial, Canberra
An der Anzac Parade, am Fuße des Mount Ainslie und mit direktem Blickachse auf das Parlamentsgebäude, verbindet das AWM Gedenkstätte und Museum auf einzigartige Weise. Die Roll of Honour, eine Bronzetafel mit den Namen aller australischen Gefallenen seit dem Ersten Weltkrieg, umgibt den zentralen Gedenkbereich. Die täglich um 16:55 Uhr abgehaltene Last-Post-Zeremonie ist ein bewegender nationaler Moment. Die Aircraft Hall zeigt Originalmaschinen aus beiden Weltkriegen, darunter einen Lancaster-Bomber. Die Fahrzeug- und Artilleriesammlungen und die Ausstellungen zum Korea- und Vietnamkrieg runden das Bild ab. Eintritt frei; eines der meistbesuchten Häuser des Landes.
Auf der Karte sind alle zehn Häuser eingetragen — Inlandsflüge zwischen Canberra, Sydney, Melbourne, Brisbane und Hobart einplanen; die Flugzeiten liegen zwischen einer und knapp zwei Stunden.