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Der Louvre — eine Annäherung

Der Louvre ist nicht nur das meistbesuchte Museum der Welt, sondern auch eines der ältesten öffentlichen. Wer ihn betritt, bewegt sich gleichzeitig durch fünf Jahrhunderte Architekturgeschichte und durch acht kuratorische Abteilungen, die sich kaum an einem Tag erfassen lassen. Die folgende Annäherung soll das Material ordnen helfen.

Vom Königspalast zum öffentlichen Museum

Der Louvre wurde am 10. August 1793 mitten in der Französischen Revolution als öffentliches Museum eröffnet, im ehemaligen Königspalast am rechten Seineufer. Spätere Bauphasen — die östliche Erweiterung unter Napoleon, die Verbindung zum Tuileriengarten unter Napoleon III., schließlich die Glaspyramide von I. M. Pei und die unterirdische Neuordnung der Eingänge 1989 — haben das Gebäude über zwei Jahrhunderte hinweg geformt.

Größe der Sammlung

Etwa 615.000 Objekte umfasst die Sammlung insgesamt; rund 35.000 sind in der Dauerausstellung zu sehen. Acht kuratorische Abteilungen gliedern den Bestand: ägyptische Altertümer, vorderasiatische Altertümer, griechische, etruskische und römische Altertümer, islamische Kunst, Skulpturen, Kunsthandwerk, Gemälde und Zeichnungen.

Die berühmten Drei

Die Mona Lisa (Leonardo, um 1503-19) hängt im Saal 711 im Denon-Flügel; die Venus von Milo (etwa 150-125 v. Chr.) steht im Erdgeschoss des Sully-Flügels; die Nike von Samothrake (etwa 200-190 v. Chr.) krönt die Daru-Treppe. Alle drei sind heute dauerhaft umlagert. Wer die Mona Lisa länger als zwei Minuten betrachten will, muss Geduld mitbringen und einen frühen Zeitschein nehmen.

Weniger beachtete Schätze

Der Codex Hammurabi (mesopotamische Basaltstele, um 1755 v. Chr.) steht in der vorderasiatischen Abteilung im Richelieu-Flügel; der Sitzende Schreiber (ägyptisches Altes Reich, um 2500 v. Chr.) ist eines der eindrücklichsten Porträts der Antike; die Marly-Pferde von Coustou (1745) stehen verglast in der Cour Marly. In keinem dieser Säle muss man sich durch Massen drücken.

Die Pyramide von I. M. Pei

Die 1989 fertiggestellte Glaspyramide war zunächst umstritten — heute ist sie die zentrale Eingangsmarke des Hauses und eines der bekanntesten Bauwerke von Paris. Der unterirdische Carrousel-Anbau brachte Einzelhandel, Metroanschluss und ein leistungsfähiges Zugangssystem in den Innenhof.

Abteilungen für einen eigenen Besuch

Die islamische Kunst, 2012 in einem von Mario Bellini und Rudy Ricciotti gestalteten Goldwellen-Dach im Cour Visconti neu eröffnet, ist eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art außerhalb der islamischen Welt. Die ägyptische Sammlung ist die zweitgrößte außerhalb Kairos. Die Objets d'Art im ersten Obergeschoss umfassen restaurierte Prunkappartements aus der Zeit Napoleons III.

Besuchsstrategie

Online-Tickets mit Zeitfenster sind Pflicht; in der Hauptsaison sollte man zwei Wochen vorher buchen. Unter 18 Jahre frei, EU-Bürger unter 26 Jahre ebenfalls. Geöffnet Mittwoch bis Montag, Dienstag geschlossen. Die Abendöffnungen am Mittwoch und Freitag bis 21.45 Uhr sind deutlich entspannter als die Tagstunden.

Louvre-Lens

Seit 2012 betreibt das Haus eine Außenstelle in Lens (Nordfrankreich) im preisgekrönten Bau von SANAA. In einer einzigen langen Halle, der Galerie du Temps, zeigt das Louvre-Lens jährlich wechselnde Leihgaben aus dem Pariser Bestand. Wer Paris meidet, findet hier ein konzentriertes Erlebnis ohne Schlange.

Kritischer Kontext

Die Bestände des Louvre umfassen napoleonische Kriegsbeute (1815 weitgehend zurückgegeben), Ankäufe der Kolonialzeit und Schenkungen unklarer Herkunft. Rückgabeforderungen aus Ägypten, Italien und mehreren afrikanischen Staaten liegen vor; die institutionelle Antwort fällt bisher zurückhaltend aus.

Auf der Karte ist das Haus ebenso verzeichnet wie der Louvre-Lens — eine Reise lässt sich gut zwischen beiden Standorten aufteilen.