← Zurück zum Blog

Das Getty Center — eine Annäherung

Das Getty Center ist eines der eigenwilligsten Großmuseumsprojekte des späten zwanzigsten Jahrhunderts. Wer mit der Standseilbahn von der Sepulveda-Passhöhe hinauffährt, betritt einen Campus, dessen Architektur, Garten und Sammlung absichtlich miteinander verzahnt sind. Die folgende Annäherung umreißt Geschichte, Bestand und einen sinnvollen Besuchsablauf.

Das Vermächtnis von J. Paul Getty

J. Paul Getty (1892-1976), Ölmagnat und Kunstsammler, hinterließ den größten Teil seines Vermögens der von ihm gegründeten Stiftung. Heute betreibt der Getty Trust zwei Standorte: das Getty Center in Brentwood mit europäischer Malerei, Zeichnung, Skulptur, Kunsthandwerk und Fotografie ab dem späten siebzehnten Jahrhundert sowie die Getty Villa in Pacific Palisades, in der die antike griechisch-römische und etruskische Sammlung untergebracht ist.

Richard Meiers Bergcampus

Das Getty Center, 1997 nach vierzehn Jahren Planung und Bau eröffnet, liegt auf einem 45 Hektar großen Hügelplateau über dem Stadtteil Brentwood. Richard Meiers Pavillons aus römischem Travertin und mattem Aluminium stehen wie eine kleine Akropolis in der kalifornischen Sonne; zwischen ihnen führen offene Höfe, Wasserläufe und Sichtachsen auf die Stadt, das Meer und die Berge.

Der zentrale Garten von Robert Irwin

Robert Irwin gestaltete den zentralen Garten als eigenständige Skulptur — ein spiralig angelegtes Beet aus Azaleen, das sich um ein rundes Wasserbecken legt, mit Bougainvilleen, Lavendel und Olivenbäumen entlang eines abfallenden Bachs. Irwin sah seine Aufgabe als Künstler, nicht als Landschaftsarchitekt; das macht den Garten zu einem Ausstellungsstück, das mit jeder Jahreszeit anders aussieht.

Die Gemäldesammlung

Zu den Schlüsselwerken zählen Vincent van Goghs Schwertlilien (1889), Rembrandts Raub der Europa, Cézannes Stillleben mit Äpfeln und Pontormos Bildnis eines Hellebardiers — letzteres beim Ankauf 1989 das damals teuerste Auktionsgemälde der Welt. Hinzu kommen Beispielarbeiten von Tizian, Veronese, Mantegna, Poussin und Rubens, dazu eine starke Gruppe französischer Romantiker.

Zeichnungen, Fotografie, Handschriften

Die Zeichnungssammlung des Getty zählt zu den bedeutendsten in Nordamerika, mit großen Beständen der italienischen Renaissance und der nordeuropäischen Druckgrafik. Die Fotografieabteilung wurde 1984 mit dem Ankauf der Wagstaff-Sammlung begründet und umfasst inzwischen mehr als 150.000 Abzüge — von den frühen Daguerreotypien bis zur Gegenwartskunst. Die Bibliothek der illuminierten Handschriften enthält karolingische und ottonische Evangeliare sowie das Spinola-Stundenbuch.

Kunsthandwerk und Möbel

Das französische Kunsthandwerk des achtzehnten Jahrhunderts bildet das Rückgrat der Decorative-Arts-Sammlung: Sèvres-Porzellan, Boulle-Möbel, Tapisserien aus den königlichen Manufakturen. Die Räume sind als Period Rooms eingerichtet und vermitteln die Atmosphäre des höfischen Pariser Interieurs vor der Revolution.

Getty Villa in Pacific Palisades

Die Getty Villa, gestaltet nach dem Vorbild der Villa dei Papiri in Herculaneum und 1974 eröffnet (Wiedereröffnung 2006 nach umfassender Renovierung), beherbergt die antike Sammlung. Die Architektur — Atrium, Peristyl, Spiegelteich — ist Teil der Inszenierung. Ein eigener Anfahrtsweg, eigene Reservierung und ein anderer architektonischer Geist trennen Villa und Center deutlich voneinander.

Praktische Besuchsstrategie

Beide Standorte sind kostenlos zugänglich, das Parken kostet jedoch 25 Dollar; für die Villa ist eine kostenlose Zeitfensterreservierung verpflichtend. Montags geschlossen. Wer Center und Villa in einem Tag verbinden möchte, sollte die Villa am Vormittag besuchen — der Pazifiknebel hängt dort manchmal noch über dem Atrium — und am Nachmittag die Standseilbahn zum Center nehmen. Das Spätlicht über den Travertinmauern lohnt den Aufstieg.

Auf der Karte sind beide Standorte verzeichnet und lassen sich mit anderen Häusern in Südkalifornien zu einer mehrtägigen Reise verbinden.