Die schönsten Museumscafés und Restaurants
Eine längere Museumsrunde braucht eine Pause. Die besten Häuser haben daraus eigene Ziele gemacht — Räume, die für sich genommen einen Besuch lohnen, oft in Originalsubstanz. Die folgenden Adressen sind keine Restauranttipps, sondern eine Liste von Räumen, in denen sich auch Kunst entspannt. Manche davon laden ein, länger zu sitzen als geplant — was bei einem Museumstag keine schlechte Sache ist.
V&A Refreshment Rooms, London
Das Café des Victoria & Albert Museum in den originalen Räumen von 1868 — Gamble Room, Morris Room, Poynter Room — ist selbst ein Hauptwerk der angewandten Kunst. Die drei Räume wurden von unterschiedlichen Künstlern und Designern gestaltet und dienten ursprünglich als erstes dauerhaftes Museumsrestaurant der Welt, ein Novum in der viktorianischen Museumsgeschichte. Der Gamble Room mit seinen farbigen Kacheln und dem Majolika-Dekor gilt als erhaltenstes Ensemble des High-Victorian-Stils in ganz Europa. Der Morris Room trägt Entwürfe aus William Morris' Werkstatt; der Poynter Room zeigt Keramikfriese nach Entwürfen von Edward Poynter.
Die Speisekarte ist unkompliziert und erschwinglich: Sandwiches, Suppen, Kuchen, Scones mit Clotted Cream. Wer keine Lust auf Vollservice hat, holt sich am Counter, was er möchte, und findet immer einen Platz zwischen Familien, Schulgruppen und Stammgästen aus dem Viertel. Das Café ist für alle Besucher ohne zusätzliches Ticket zugänglich — ein seltenes Angebot für ein House of dieser Größe in London. Die V&A-Adresse ist Cromwell Road, South Kensington; die nächste U-Bahn-Station ist South Kensington, zwei Minuten zu Fuß.
National Gallery, London
Das Ochre Restaurant im Sainsbury Wing der National Gallery bietet feinere Küche mit sorgfältig zusammengestellter britischer Karte. Der Sainsbury Wing, 1991 nach umstrittenem Architekturwettbewerb von Robert Venturi und Denise Scott Brown fertiggestellt, beherbergt die norditalienischen und flämischen Meister des 15. Jahrhunderts — ein Abstecher von Botticelli und van Eyck ins Restaurant schließt den Kreis aus Kunst und gutem Essen plausibel. Tagesmenüs sind erschwinglich für Londoner Verhältnisse; das Abendprogramm bei Sonderveranstaltungen ist preisintensiver.
Das National Café im Ostflügel ist die unkompliziertere Alternative mit Blick auf Trafalgar Square. Hier dominieren Breakfast-All-Day-Angebote, Salate und ein wechselndes Mittagsmenü. Beide Räume profitieren von der zentralen Lage am Trafalgar Square — erreichbar ab Charing Cross (Overground, National Rail, Bus) oder Embankment (District, Circle). Der Eintritt in die Dauerausstellung ist kostenlos; nur Sonderausstellungen kosten Eintritt.
The Modern, MoMA, New York
Danny Meyers Restaurant The Modern hält seit Jahren zwei Michelin-Sterne — Fine Dining mit Blick auf den Skulpturengarten und Werke unter freiem Himmel. Das Restaurant befindet sich im Westgebäude des Museum of Modern Art auf der 53rd Street in Midtown Manhattan. Die Küche kombiniert klassisch-französische Techniken mit amerikanischen Zutaten und wechselt saisonal; das Tasting-Menü bewegt sich im gehobenen Preissegment von 150 Dollar und mehr pro Person ohne Getränke. Die Bar Room-Sektion desselben Restaurants ist deutlich günstiger und Laufkundschaft zugänglicher — hier bekommt man Lunch ohne Reservierung.
Der Skulpturengarten des MoMA, den das Restaurant überblickt, wurde von Philip Johnson entworfen und nach einem Erweiterungsbau unter Yoshio Taniguchi 2004 in heutiger Form wiedereröffnet. Werke von Auguste Rodin, Pablo Picasso, Alberto Giacometti und Alexander Calder stehen dort permanent. Für den Skulpturengarten reicht das reguläre Museumsticket — Erwachsene zahlen rund 30 Dollar. Reservierung für The Modern mindestens drei bis vier Wochen im Voraus.
The Wright, Guggenheim, New York
Das Restaurant The Wright im Guggenheim-Gebäude auf der Fifth Avenue bietet moderne amerikanische Küche in einem brillant gestalteten Raum mit einer Deckeninstallation von Liam Gillick, die sich farblich mit Tageslichtwechseln verändert. Der Bau von Frank Lloyd Wright, 1959 eröffnet, hat mit seiner nach oben sich weitenden Spiralrampe das Bild von Museumsarchitektur nachhaltig geprägt. Der Wright ist eines der wenigen Museumsrestaurants, das auch unabhängig vom Museumsbesuch und ohne Museumsticket besucht werden kann.
Die Karte fokussiert auf kleine Platten und Sharing-Konzepte; das Mittagsangebot ist kompakter. Preislich liegt The Wright zwischen Casual und Fine Dining. Die Sichtachsen zur zentralen Rotunde und das Bewusstsein, dass in unmittelbarer Nähe Picasso, Kandinsky und Calder hängen, geben dem Essen eine eigene Qualität. Adresse: 1071 Fifth Avenue, Upper East Side; nächste U-Bahn: 86th Street (4, 5, 6).
Café Mollien, Louvre, Paris
Das Café Mollien im ersten Stock des Denon-Flügels öffnet im Sommer seine Terrasse zur Cour Napoléon — mit direktem Blick auf I. M. Peis Glaspyramide (1989) und den Innenhof des größten Museums der Welt. Das Café ist nach dem Finanzminister der Restaurationszeit Jean-Pierre Bachasson de Montalivet benannt — der Flügel selbst trägt den Namen des Marineministers unter Napoleon I.
Kulinarisch ist das Café Mollien ein typisches Museumsrestaurant mit warmen Gerichten, Sandwiches, Kuchen und Heißgetränken auf einem Preisniveau, das für Paris moderat ist. Die eigentliche Qualität liegt in der Lage: Ein Kaffee auf der Terrasse mit Blick auf die Pyramide und das Gewimmel der ankommenden Besucher, weit genug entfernt für Ruhe, nah genug für das Gefühl, mitten in einem der intensivsten Touristenerlebnisse Europas zu sitzen. An Wochentagen ist es ruhiger als am Wochenende; frühzeitig nach dem Mittagsansturm gegen 14 Uhr ist die Terrasse oft wieder zugänglich. Der Louvre liegt am Palais Royal (Métro 1, 7), Eintritt regulär rund 22 Euro für Erwachsene.
Café Albertina, Wien
Die Terrasse des Albertina-Cafés liegt auf der Bastei und blickt über die Wiener Staatsoper, die Hofburg und den Burggarten. Eine der klassischen Kaffeesituationen Wiens — auch ohne Museumsticket gut erreichbar. Das Café selbst ist das Restaurant des Hotels Das Triest und eigenständig von der Albertina-Sammlung betrieben, jedoch in direkter Nachbarschaft und mit gemeinsamer Adresse am Albertinaplatz 1.
Die Lage auf dem ehemaligen Stadtmauerwall gibt dem Café eine Erhöhung, die in Wien selten ist: Man sitzt über dem Straßenniveau und sieht die Opernpassanten, ohne im Durchgangstrubel zu sein. Frühstück und Mittagessen sind gut; der Preis liegt auf mittlerem Wiener Niveau. Die Albertina selbst beherbergt eine der bedeutendsten grafischen Sammlungen weltweit — über eine Million Drucke und Zeichnungen, darunter Dürers Feldhase und das Betendes-Hände-Blatt. Eintritt rund 18 Euro für Erwachsene, das Café ist kostenlos zugänglich. U-Bahn-Station Karlsplatz (U1, U2, U4) oder Oper, je fünf Minuten zu Fuß.
Rijksmuseum, Amsterdam
Das zentrale Café im sanierten Atrium des Rijksmuseum, 2013 nach zwölfjähriger Renovierung unter Leitung von Cruz y Ortiz Arquitectos wiedereröffnet, serviert traditionell niederländische Küche in einem überraschend großen Raum. Das Café liegt im Erdgeschoss der historischen Passage, die Fahrradfahrern und Fußgängern den Durchgang durch den Kern des Gebäudes ermöglicht — eine Besonderheit, die Amsterdam durchaus entspricht.
Kroket, Erwtensoep, Bitterballen und Stroopwafeln gehören zur Speisekarte; dazu Kaffee in allen Varianten und frisch gepresste Säfte. Die Atmosphäre ist entspannt und familiär; das Rijksmuseum zieht ein breites Publikum an, und das Café spiegelt das wider. Wer die Sammlung besichtigt — Rembrandt, Vermeer, Jan Steen, Hals —, hat oft nach dem ersten Rundgang Pause nötig, ehe er weitergeht. Öffnungszeiten: täglich 9–17 Uhr. Eintritt Museum rund 22,50 Euro. Tram 2, 12, 17 zum Haltepunkt Rijksmuseum.
Frühstück bei Sorolla, Madrid
Das kleine Café im Innenhof des Sorolla-Hauses — Museo Sorolla, Calle del General Martínez Campos 37 — ist keine Restauranthochburg, aber stilistisch unschlagbar: andalusisch inspirierter Patio mit Springbrunnen, ein paar Tische, der Garten als Hintergrund. Joaquín Sorolla, der valencianische Maler des Lichts und der Küste, lebte und arbeitete hier von 1911 bis zu seinem Tod 1923. Das Haus, heute Museum und wenig bekannter als seine großen Madrider Konkurrenten, bewahrt Atelier, Wohnräume und Garten weitgehend im Originalzustand.
Das Café ist klein — vielleicht ein Dutzend Plätze — und auf leichte Mahlzeiten beschränkt. Die beste Mittagspause in Madrid für unter 20 Euro gilt nicht wegen der Küche, sondern wegen der Atmosphäre: Wer in Sorollas Garten sitzt, versteht sein Lichtstreben unmittelbarer als durch die Gemälde. Öffnungszeiten des Museums Di–Sa 9:30–20 Uhr, So 10–15 Uhr, montags geschlossen. Eintritt 3 Euro. Nächste U-Bahn: Gregorio Marañón (Línea 7, 10).
Café im Kunsthistorischen Museum, Wien
Unter der Hauptkuppel des Kunsthistorischen Museums zwischen den ständigen Sammlungen — eine der ungewöhnlichsten Café-Lagen Europas. Das KHM, 1891 nach Entwürfen von Karl von Hasenauer und Gottfried Semper eröffnet, beherbergt eine der bedeutendsten Kunstsammlungen des Kontinents: Gemäldegalerie mit Brueghel, Tizian, Caravaggio, Rubens und Vermeer; Antikensammlung; Kunstkammer mit historischen Schätzen der Habsburger.
Das Café unter der Kuppel ist in der Rotunde selbst untergebracht, umgeben von Marmor, Goldverzierungen und einem Ambiente, das dem Kaiserreich treu bleibt. Die Kaffeekarte entspricht Wiener Standard mit Melange, Einspänner, Verlängertem. Kuchen und Mehlspeisen gehören ebenso dazu wie herzhafte Kleinigkeiten. Wer in Wien einen Vormittag im Haus verbringt, sollte hier zumindest einen Kaffee nehmen — und dabei innehalten, dass man in einem der aufwendigsten kulturellen Bauten des 19. Jahrhunderts sitzt. Eintritt KHM rund 21 Euro. U-Bahn Museumsquartier (U2) oder Volkstheater (U2, U3).
Praktische Hinweise
Reservieren Sie für die Fine-Dining-Adressen wie The Modern oder Ochre Wochen im Voraus; Tischreservierungen sind bei bekannten Museumsrestaurants keine Selbstverständlichkeit mehr. Cafés sind in der Regel walk-in, doch zu Spitzenzeiten — zwischen 12 und 14 Uhr an Wochenenden — entstehen lange Warteschlangen. Ein Ausweichen auf 10:30 Uhr zum frühen Lunch oder auf 15 Uhr zur Kaffeepause lohnt sich. Viele Häuser bieten Bereiche in Atrien oder Gärten, in denen mitgebrachte Picknicks erlaubt oder zumindest toleriert sind — das Rijksmuseum und das V&A gehören dazu.
Museumstickets und Restaurantbesuch sind häufig entkoppelt: Café Albertina in Wien, The Wright in New York und die Passage-Cafés im Rijksmuseum sind ohne Museumseintrittskarte zugänglich. Das senkt die Schwelle erheblich, wenn man nur eine kurze Pause plant. Außerdem lohnt ein Blick auf Sonderöffnungszeiten — viele Museumscafés schließen früher als das Museum selbst, oft gegen 17 Uhr.
Mit der Karte lassen sich Häuser nach Service-Niveau filtern, was die Tagesplanung erheblich erleichtert. Ein guter Museumsbesuch misst sich nicht nur an den Werken, die man gesehen hat, sondern auch an der Qualität der Pause dazwischen.