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Die wichtigsten ethnographischen Museen

Kein Museumsfeld ist heute so im Umbruch wie das ethnographische. Provenienzfragen, Rückgabeforderungen, neue Beteiligungsmodelle: Was die folgenden zehn Häuser zeigen, ist nicht nur Material, sondern auch der Stand der Diskussion.

Musée du Quai Branly, Paris

Der von Jean Nouvel entworfene Bau von 2006 vereint die Sammlungen des früheren Musée de l'Homme und des Musée des Arts d'Afrique et d'Océanie — 370.000 Objekte aus Afrika, Asien, Ozeanien und den Amerikas. Der koloniale Erwerbsrahmen wird im Haus aktiv aufgearbeitet.

Tropenmuseum, Amsterdam

In einem prachtvollen Bau der 1920er-Jahre versammelt das Tropenmuseum die niederländische Sammlung zu außereuropäischen Kulturen mit starken indonesischen Beständen. Ein aktives Rückgabeprogramm prägt die Kommunikation.

Pitt Rivers Museum, Oxford

1884 um die typologische Sammlung General Pitt Rivers' gegründet, behält das Haus seine bewusst viktorianische Anordnung — nach Objekttyp statt Kultur — bei und kontextualisiert sie laufend kritisch. Eine Ausnahmestellung in der Museumslandschaft.

Ethnologisches Museum, Berlin (Humboldt Forum)

Die ethnographischen Sammlungen Berlins zogen 2019-21 in den rekonstruierten Hohenzollernschloss als Humboldt Forum ein und lösten dabei eine umfassende Debatte über Präsentation und Restitution afrikanischer und pazifischer Bestände aus.

Smithsonian National Museum of the American Indian, Washington

Das NMAI an der National Mall (Douglas Cardinal, 2004) präsentiert indigene amerikanische Kulturen unter indigener Kuratur — ein Modell, das international Schule macht.

Museo Nacional de Antropología, Mexiko-Stadt

Im Chapultepec-Park (Pedro Ramírez Vázquez, 1964) bewahrt das mexikanische Nationalmuseum für Anthropologie den Sonnenstein der Azteken, olmekische Kolossalköpfe und die Rekonstruktion der Pakal-Grabkammer. Das definierende Ethnographiemuseum der Amerikas.

Weltmuseum, Wien

Nach umfassender Renovierung 2017 wiedereröffnet, bewahrt das frühere Museum für Völkerkunde die habsburgischen ethnographischen Bestände, darunter ein umfangreiches mesoamerikanisches Konvolut.

Penn Museum, Philadelphia

Das Universitätsmuseum der University of Pennsylvania verbindet Anthropologie mit Archäologie und bewahrt unter anderem die größte Sphinx außerhalb Ägyptens sowie Funde Leonard Woolleys aus Ur.

Volkenkunde, Leiden

Teil des fusionierten Wereldmuseums (Leiden, Amsterdam, Rotterdam, Berg en Dal) versammelt Volkenkunde umfangreiche asiatische und indigene amerikanische Bestände. Rückgabeverfahren werden offen kommuniziert.

Museo degli Usi e Costumi della Gente Trentina

In den Alpen, im Tirolerischen Kontext, dokumentieren regionale Ethnographiemuseen wie das Trentiner Haus die materielle Kultur der Bergvölker — eine Tradition, die quer durch Europa lebt und oft unter dem Radar bleibt.

Jede Auswahl ist diskutabel; die obige ist als Einstieg gedacht. Mit der Karte lassen sich kleinere Häuser zu spezifischen Regionen erkunden.